Stärkung der Risikokapitalbasis zur Erschließung des Innovationspotenzials der Schweiz

Die Schweiz steht an der Spitze der globalen Innovationsrankings. Im Global Innovation Index der Weltorganisation für geistiges Eigentum belegt das Land seit vierzehn Jahren den ersten Platz. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung belaufen sich auf 3,4 Prozent des BIP, womit die Schweiz deutlich über dem OECD-Durchschnitt liegt.

Die Schweiz zählt durchweg zu den innovativsten Ländern der Welt. Seit vierzehn Jahren in Folge belegt sie den ersten Platz im Global Innovation Index der Weltorganisation für geistiges Eigentum. Das Land investiert zudem stark in Forschung und Entwicklung, wobei die Ausgaben 3,4 Prozent des BIP erreichen, womit die Schweiz deutlich über dem OECD-Durchschnitt liegt. Das Land produziert eine bemerkenswerte Anzahl wissenschaftlicher Publikationen, Hightech-Exporte und Patentanmeldungen pro Kopf. Trotz dieser Erfolge wachsen jedoch relativ wenige Schweizer Start-ups zu Unternehmen von internationaler Bedeutung heran. Die Kluft zwischen wissenschaftlicher Stärke und kommerzieller Expansion ist am deutlichsten auf dem Risikokapitalmarkt zu erkennen.

Ein Vergleich mit Massachusetts

Massachusetts, ein US-Bundesstaat mit Boston als Zentrum, in dem Universitäten wie das MIT und Harvard sowie ein dichtes Netzwerk von Forschungskrankenhäusern und Technologieunternehmen angesiedelt sind, ist einer der weltweit aktivsten Innovationsstandorte. Der Bundesstaat hat rund 7 Millionen Einwohner, was mit den 8,9 Millionen Einwohnern der Schweiz vergleichbar ist, doch das Volumen der Risikokapitalinvestitionen unterscheidet sich deutlich. Laut PitchBook und der National Venture Capital Association haben Start-ups in Massachusetts im Jahr 2024 rund 7,8 Milliarden US-Dollar aufgebracht, was etwa 6,9 Milliarden Schweizer Franken entspricht. Schweizer Start-ups haben im selben Jahr rund 2,4 Milliarden Schweizer Franken angezogen. Bereinigt um die Bevölkerungszahl erhielten junge Unternehmen in Massachusetts etwa 1’115 US-Dollar pro Einwohner, während Schweizer Unternehmen rund 270 Schweizer Franken erhielten.
Diese Finanzierungsniveaus bestimmen die Anzahl der Unternehmen, die eine bestimmte Größe erreichen. Seit 2018 hat die Schweiz zehn Unicorns hervorgebracht. Ein Unicorn ist ein privat geführtes Start-up-Unternehmen mit einem Wert von einer Milliarde US-Dollar oder mehr. Massachusetts hat im gleichen Zeitraum 64 Unicorns hervorgebracht. Der Unterschied spiegelt nicht eine schwächere Forschung in der Schweiz wider, sondern strukturelle Unterschiede in der Organisation der Finanzierung von Scale-ups.

Die Schweiz im europäischen Kontext

Ein Blick auf Europa bestätigt dieses Bild. Laut Invest Europe haben Start-ups in Frankreich im Jahr 2024 rund 9 Milliarden Euro und in Deutschland rund 8,5 Milliarden Euro aufgebracht. Das Vereinigte Königreich bleibt mit rund 20 Milliarden Pfund Sterling der grösste Risikokapitalmarkt Europas. Die Schweiz liegt mit 2,4 Milliarden Franken hinter diesen Ländern zurück, obwohl ihre Forschungsleistung wohl stärker ist als die der meisten ihrer europäischen Nachbarn.
Der Kontrast zu den Innovationskennzahlen der Schweiz ist auffällig. Im Jahr 2024 reichte das Land 9’966 Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt ein. Seine F&E-Intensität zählt zu den höchsten in der OECD, und Hightech-Exporte machen einen erheblichen Anteil der Gesamtexporte aus. Die Schweiz verfügt über den wissenschaftlichen Motor einer Spitzentechnologie-Wirtschaft, doch ihre Risikokapitalfinanzierungstätigkeit ist weniger ausgeprägt.

Die Bedeutung inländischer Investoren

Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen der Schweiz und führenden Hubs wie Massachusetts liegt in der Beteiligung lokaler Investoren. In Massachusetts sind rund 85 Prozent der grössten Finanzierungsrunden mit inländischen Investoren verbunden. In der Schweiz liegt dieser Anteil laut dem Swiss Venture Capital Report und ergänzenden Analysen von Invest Europe und Swiss Startup Radar bei knapp 40 Prozent.
Ausländische Investoren sind für die Start-up-Landschaft der Schweiz von entscheidender Bedeutung. Sie bringen Erfahrung, Netzwerke und globalen Zugang mit. Ihr Engagement ist eine Stärke in einer kleinen, international ausgerichteten Volkswirtschaft. Wenn jedoch die Beteiligung aus dem Inland begrenzt ist, sind Unternehmen in ihrer Entwicklung früher auf ausländische Partner angewiesen. Diese Abhängigkeit führt zu Reibungsverlusten. Schweizer Scale-ups müssen sich oft wiederholt in ausländischen Finanzzentren präsentieren, ihre Rechtsstrukturen an ungewohnte Standards anpassen oder über mehrere Zeitzonen hinweg verhandeln. Diese Prozesse verlängern die Fundraising-Zyklen und verzögern die Expansion.
Historische Daten unterstreichen die Bedeutung von lokalem Kapital. Für jeden im Inland aufgebrachten Schweizer Franken flossen etwa 3,2 Franken ausländisches Risikokapital in den Schweizer Markt. Inländische Investoren ziehen also internationales Kapital an, anstatt es zu ersetzen. Ihre Präsenz stärkt die Position der Schweiz auf den globalen Märkten, anstatt sie einzuschränken.

Ein starkes Forschungssystem und eine Lücke in der Scale-up-Finanzierung

Die Forschungsinfrastruktur der Schweiz gehört zu den besten der Welt. Die ETH Zürich und die EPFL belegen in globalen Hochschulrankings stets Spitzenplätze. Zusammen bringen sie jedes Jahr zwischen 60 und 70 Spin-offs hervor. Landesweit bringen Universitäten und Forschungseinrichtungen jährlich etwa 350 bis 400 Start-ups hervor. Die Life-Science-Cluster in Basel, Zürich und der Genferseeregion sind international wettbewerbsfähig. Eine Vielzahl multinationaler Unternehmen unterhält Forschungs- und Entwicklungszentren in der Schweiz.
Diese Grundlagen führen zu einer starken wissenschaftlichen Leistung. Die Schweiz reichte 2024 beim Europäischen Patentamt 9’966 Patentanmeldungen ein. Die Forscher veröffentlichen mit einer der höchsten Raten weltweit, und Hightech-Güter sind ein wichtiger Bestandteil der nationalen Exporte. Die F&E-Ausgaben in Höhe von 3,4 Prozent des BIP entsprechen etwa 43 Prozent des US-Benchmarks.
Wissenschaftliche Exzellenz allein garantiert jedoch noch kein wirtschaftliches Wachstum. Um ein Start-up zu skalieren, sind Kapital für behördliche Genehmigungen, Markteintritt, Personalbeschaffung und Produktionskapazitäten erforderlich. Diese Rolle übernimmt Risikokapital. Wenn das inländische Angebot begrenzt ist, stehen Unternehmen vor Herausforderungen beim Übergang von der Forschungsphase zum globalen Markt.

Finanzierungsdynamik über die Anfangsphase hinaus

Die Schweiz verfügt über eine solide Basis für die Frühphasenfinanzierung. Angel-Investoren, Stiftungen und Family Offices sind in Seed- und Serie-A-Finanzierungsrunden aktiv, und Universitäten haben Programme zur Unterstützung von Start-ups eingerichtet. Die Herausforderung kommt später. Für Serie-B- und Serie-C-Finanzierungsrunden sind oft zwischen 20 und 100 Millionen Schweizer Franken erforderlich. Diese Beträge erfordern koordiniertes Kapital von mehreren Investoren, die idealerweise im gleichen Markt wie das Unternehmen ansässig sind.
Schweizer Pensionsfonds verwalten insgesamt mehr als 1’300 Milliarden Franken. Doch nur ein sehr kleiner Teil davon wird in Risikokapital investiert. Schätzungen zufolge liegt die Allokation bei etwa 0,03 Prozent. Zum Vergleich: Nordische Pensionsfonds investieren zwischen 1 und 3 Prozent in Risikokapital. Große US-amerikanische Universitätsstiftungen und Pensionsfonds investieren oft zwischen 10 und 15 Prozent. Der Unterschied verdeutlicht, warum große Wachstumsrunden in Märkten wie Massachusetts leichter zu realisieren sind.
In den Vereinigten Staaten spielen institutionelle Investoren eine wichtige Rolle auf den Risikokapitalmärkten. Ihre Beteiligung sorgt für Stabilität und ermöglicht es Unternehmen, große Finanzierungsrunden durchzuführen, ohne ihren Standort verlegen zu müssen. Diese Kontinuität unterstützt ein schnelleres Wachstum.

Internationales Kapital als Ergänzung, nicht als Ersatz

Internationale Investoren sind wertvolle Partner für Schweizer Scale-ups. Sie bieten Zugang zu globalen Netzwerken, Kunden und Technologien. In vielen Fällen sind sie der Grund dafür, dass Schweizer Unternehmen erfolgreich ins Ausland expandieren. Internationales Kapital funktioniert jedoch am besten, wenn es die inländische Finanzierung ergänzt. Wenn sich Schweizer Investoren aktiver an größeren Finanzierungsrunden beteiligen, können Scale-ups weiter vorankommen, bevor sie internationale Partner suchen. Dies stärkt die Position der Schweiz als Standort, an dem Unternehmen nicht nur gegründet werden, sondern auch wachsen können.

Die wirtschaftlichen Argumente für den Ausbau des inländischen Risikokapitals

Das Argument für eine Stärkung der inländischen Risikokapitalbasis der Schweiz stützt sich auf mehrere wirtschaftliche Faktoren. Erstens deutet die hohe F&E-Intensität des Landes darauf hin, dass die wissenschaftliche Pipeline eine größere Anzahl von Scale-ups unterstützen kann. Zweitens verfügen Pensionskassen über ausreichend große Vermögenswerte, um in Risikokapital zu diversifizieren, ohne ihren konservativen Ansatz zu gefährden. Drittens würde ein stärkerer inländischer Risikokapitalmarkt Innovationscluster in den Bereichen Biotechnologie, Medizintechnik, Quantentechnologien und fortschrittliche Werkstoffe stärken.
Eine Studie von Schroders Capital legt nahe, dass mit einer breiteren inländischen Investorenbasis das jährliche Volumen an Risikokapital von derzeit rund 2,4 Milliarden CHF auf bis zu 11 Milliarden CHF steigen könnte. Ein solches Niveau würde dem wissenschaftlichen Potenzial des Landes besser entsprechen.

Lehren aus internationalen Drehkreuzen

Massachusetts ist ein gutes Beispiel dafür. Sein Erfolg beruht nicht nur auf exzellenter Forschung, sondern auch auf jahrzehntelangen Investitionen in die unterstützende Infrastruktur. Lokale Investoren, Universitäten und öffentliche Einrichtungen haben ein eng vernetztes Ökosystem aufgebaut. Unternehmen, die frühzeitig Kapital vor Ort beschaffen, bleiben oft in der Region, was den Cluster im Laufe der Zeit weiter stärkt.
Die Schweiz muss dieses Modell nicht direkt kopieren. Ihr regulatorisches Umfeld, ihre Größe und ihre Marktstruktur unterscheiden sich davon. Die Grundsätze sind jedoch relevant. Eine starke inländische Investorenbasis unterstützt die Entwicklung wachstumsstarker Unternehmen. Sie verankert die Wertschöpfung vor Ort und zieht internationale Partner an.

Kapitalbildung auf Forschungsexzellenz ausrichten

Die Schweiz verfügt über die wissenschaftlichen Kapazitäten, um eine viel größere Zahl von Scale-up-Unternehmen zu unterstützen. Ihre Universitäten, Forschungszentren und Innovationscluster arbeiten bereits auf Weltklasseniveau. Durch den Ausbau der inländischen Risikokapitalbasis kann die Schweiz sicherstellen, dass mehr dieser Talente im Land bleiben und sich zu international erfolgreichen Unternehmen entwickeln.
Das Potenzial ist in den Daten sichtbar. Die Frage bleibt, wie die Schweiz die Kapitalbildung mit ihrer Forschungsstärke in Einklang bringen wird, damit mehr Unternehmen eine globale Größe erreichen.

Referenzen (APA)

  • Boston Consulting Group. (2020–2024). Innovation, Risikokapital und Skalierungsdynamik in Europa. BCG.
  • ETH Zürich. (2024). ETH-Spin-off-Statistik 2023/2024. ETH Transfer Office. https://ethz.ch
  • EPFL. (2024). Start-up- und Spin-off-Statistiken. Vizepräsidentschaft für Innovation der EPFL. https://epfl.ch
  • Europäisches Patentamt. (2024). Patentindex 2024. EPA. https://www.epo.org
  • Bundesamt für Statistik (BFS). (2023). Forschung und Entwicklung in der Schweiz: Schlüsselindikatoren. Bundesamt für Statistik.
  • Invest Europe. (2024). Europäische Private-Equity-Aktivitäten 2024. Invest Europe. https://investeurope.eu
  • MassChallenge Schweiz. (2022–2024). Benchmarking-Berichte zum Ökosystem. MassChallenge.
  • National Venture Capital Association & PitchBook. (2024). NVCA-Jahrbuch 2024. NVCA. https://nvca.org
  • Schroders Capital. (2023). Schweizer Risikokapital: Marktpotenzial und Wachstumsszenarien. Schroders.
  • Startupticker & SECA. (2024). Swiss Venture Capital Report 2024. Startupticker.ch / Swiss Private Equity & Corporate Finance Association. https://www.startupticker.ch
  • Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO). (2023). Hightech-Exporte und Innovationsindikatoren. SECO.
  • Swiss Startup Radar (Universität St. Gallen & Swiss Startup Factory). (2023). Swiss Startup Radar 2023/24. HSG.
  • Weltorganisation für geistiges Eigentum. (2024). Global Innovation Index 2024. WIPO. https://www.wipo.int

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