Laut Preqin und dem Swiss Venture Capital Report belief sich das private Kapitalaufkommen in der Schweiz im Jahr 2024 auf rund 18,4 Mrd. CHF. Dies entspricht zwar einem Rückgang gegenüber dem Höchststand von 2021, entspricht aber immer noch etwa 2,4 % des BIP. Nur wenige europäische Märkte setzen privates Kapital in vergleichbarer Intensität ein. Der Rückgang war nicht gleichmäßig verteilt. Große Late-Stage-Vehikel absorbierten den größten Teil des Rückgangs, während Growth Equity, Private Debt und plattformvermittelte Investitionskanäle sich als wesentlich widerstandsfähiger erwiesen und damit die Parameter für die Schweizer Private-Equity-Landschaft bis 2026 festlegten.
Inländisches Kapital sorgt für einen stabileren Markt
Der wichtigste stabilisierende Faktor bleibt die inländische Anlegerbasis der Schweiz. Laut Bundesamt für Statistik beliefen sich die Vermögenswerte der beruflichen Altersvorsorge in der Schweiz im Jahr 2024 auf rund 1’210 Mrd. CHF. Alternative Anlagen machten etwa 16,1 % der Portfolios aus, gegenüber 12,8 % im Jahr 2018. Innerhalb der alternativen Anlagen machen Private Equity und Private Debt zusammen schätzungsweise 6–7 % aus, ein Anteil, der trotz der globalen Marktvolatilität weiter gestiegen ist.
Diese stetige Allokation steht im Gegensatz zum Rückzug internationalen institutionellen Kapitals aus den europäischen Privatmärkten nach 2022. Daten der Swiss Private Equity and Corporate Finance Association zeigen, dass Schweizer Pensionskassen, Versicherungen und Family Offices nun einen größeren Anteil an den Engagements in inländischen Vehikeln und Direktinvestitionen haben. Für 2026 bedeutet diese Verschiebung einen Markt, der weniger den globalen Kapitalströmen ausgesetzt ist und stärker auf die langfristigen Verbindlichkeiten und Renditeerwartungen der Schweiz ausgerichtet ist.
Regulierte Plattformen erweitern den Zugang zu privatem Kapital
Da traditionelle Fondsstrukturen selektiver geworden sind, haben regulierte Anlageplattformen eine zentralere Rolle übernommen. Die Umsetzung des FinSA und FinIA in der Schweiz hat einen klaren Rahmen für den plattformbasierten Zugang zu privaten Vermögenswerten geschaffen, der Anlegerschutz mit operativer Flexibilität verbindet.
Die Bedeutung dieses Kanals ist nicht mehr marginal. Laut dem von der Hochschule Luzern veröffentlichten Crowdfunding Monitor Switzerland belief sich das Gesamtvolumen des Crowdinvestings und Crowdlending in der Schweiz im Jahr 2023 auf 1,1 Milliarden Franken. Davon entfielen 183 Millionen Franken auf das Crowdinvesting in Aktien, 607 Millionen Franken auf KMU- und Konsumentenkredite und 307 Millionen Franken auf Immobilien. Im Vergleich zu den institutionellen Märkten sind diese Zahlen zwar nach wie vor gering, doch ihre Wachstumsrate und Diversifizierung sind beachtlich. Daten des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen zeigen, dass es in der Schweiz mehr als 40 regulierte Investitionsplattformen gibt, was einer der höchsten Pro-Kopf-Werte in Europa ist. Bis 2026 dürfte der plattformbasierte Zugang eher ein struktureller Bestandteil des Schweizer Privatkapital-Ökosystems sein als ein zyklischer Ersatz.
Wachstumskapital gewinnt wieder an strategischer Bedeutung
Laut Startupticker.ch und dem Swiss Venture Capital Report gingen die Investitionen in Schweizer Start-ups von 5,6 Mrd. CHF im Jahr 2022 auf 3,3 Mrd. CHF im Jahr 2024 zurück. Der Rückgang konzentrierte sich auf grosse Finanzierungsrunden in späteren Phasen, aus denen sich globale Wachstumsfonds weitgehend zurückzogen. Die Seed- und Series-A-Finanzierungen hielten sich mit rund 1,1 Mrd. CHF vergleichsweise gut, während auf Series-B- und spätere Finanzierungsrunden etwa 2,2 Mrd. CHF entfielen.
Dieser Wandel hat die Rolle des Kapitals in der Wachstumsphase neu definiert. Die Schweiz verfügt weiterhin über eine starke Pipeline technologieorientierter Unternehmen. Daten des Bundesamtes für Statistik zeigen jährliche F&E-Ausgaben in Höhe von rund 25 Mrd. CHF, was 3,4 % des BIP entspricht. Allein auf den Bereich Life Sciences entfielen 46 % der Schweizer Venture-Investitionen im Jahr 2024. Daten des Europäischen Investitionsfonds zeigen jedoch, dass die mittlere Ausstiegsdauer für Schweizer Venture-finanzierte Unternehmen bei 9,3 Jahren liegt, was die Notwendigkeit geduldiger Kapitalstrukturen und realistischer Bewertungsrahmen unterstreicht.
Wachstumsfinanzierungen unter 10 Millionen CHF, Minderheitsbeteiligungen und strukturierte Sekundärtransaktionen haben daher an Bedeutung gewonnen. Diese Formate ermöglichen es Unternehmen, ihre Expansion zu finanzieren und gleichzeitig den vollständigen Ausstieg institutioneller Investoren aufzuschieben. Plattformen, die einen kuratierten Zugang zu solchen Transaktionen bieten, entsprechen genau den Anforderungen der Investoren nach Transparenz, Governance und messbaren Fortschritten statt nur Wachstumsversprechungen.
Private Schulden schließen strukturelle Lücken in der KMU-Finanzierung
Private Debt hat sich zu einem der robustesten Segmente des Schweizer Privatkapitals entwickelt. Laut Preqin wurden 2024 mit auf die Schweiz ausgerichteten Private-Debt-Strategien schätzungsweise 4,8 Mrd. CHF aufgebracht. Höhere Basiszinssätze und strengere Kreditvergabestandards der Banken haben die relative Attraktivität von Nichtbankenkrediten erhöht.
Der makroökonomische Kontext unterstützt diesen Trend. Laut Bundesamt für Statistik machen KMU 99,7 % der Schweizer Unternehmen und rund 67 % der Beschäftigung aus. Gleichzeitig zeigt der Finanzstabilitätsbericht der Schweizerischen Nationalbank, dass das Wachstum der Bankkredite an KMU seit 2022 hinter dem nominalen BIP-Wachstum zurückbleibt. Diese Lücke hat eine Nachfrage nach alternativen Finanzierungslösungen geschaffen, insbesondere für Expansion, Nachfolge und Betriebskapital.
Die Ausfallraten bleiben im internationalen Vergleich niedrig, was auf eine konservative Kreditvergabe und die Widerstandsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft zurückzuführen ist. Die Daten von Moody's deuten jedoch auf einen allmählichen Anstieg der Restrukturierungen in ganz Europa hin, was die Bedeutung eines aktiven Risikomanagements unterstreicht. Plattformbasierte Private-Debt-Angebote bieten Anlegern ein granulares Engagement und Diversifizierung und unterstützen damit ihre Rolle in Portfolios bis 2026.
Übernahmen passen sich geringerer Verschuldung und niedrigeren Bewertungen an
Laut Bain & Company gingen die Übernahmeaktivitäten in der Schweiz zwischen 2022 und 2024 um rund 30 % zurück. Die durchschnittlichen Transaktionsmultiplikatoren im Mittelstand sanken von etwa 11,5x EBITDA im Jahr 2021 auf unter 9,5x im Jahr 2024. Höhere Finanzierungskosten haben den Spielraum für fremdkapitalfinanzierte Renditen verringert, wodurch sich der Schwerpunkt auf operative Verbesserungen und strategische Neupositionierungen verlagert hat.
Für 2026 bleiben Übernahmen weiterhin relevant, dominieren jedoch nicht mehr den Einsatz von privatem Kapital. Nachfolgelösungen für familiengeführte KMU, Minderheitsbeteiligungen und Ausgliederungen sind wichtiger als hochgradig fremdfinanzierte Übernahmen. Diese Entwicklung entspricht den Präferenzen langfristiger Schweizer Investoren und ergänzt den allgemeinen Trend hin zu diversifizierten Zugangsmodellen anstelle konzentrierter Fondsengagements.
Die Ausstiegsmärkte bleiben selektiv, aber flexibler.
Die Exit-Bedingungen beeinflussen weiterhin die Entscheidungen zur Kapitalallokation. Die IPO-Aktivitäten an der SIX Swiss Exchange waren verhalten: Laut Statistiken der SIX gab es 2021 14 Börsengänge, 2022 fünf, 2023 drei und 2024 vier. Trade Sales, insbesondere an internationale strategische Käufer in den Bereichen Life Sciences und Industrietechnologie, haben den schwachen Primärmarkt teilweise ausgeglichen.
Sekundärtransaktionen haben zunehmend an Bedeutung gewonnen. Evercore schätzt das Volumen des europäischen Sekundärmarktes für 2024 auf rund 130 Mrd. EUR, wobei Schweizer Vermögenswerte an Sichtbarkeit gewinnen. Obwohl genaue Zahlen für die Schweiz nicht bekannt gegeben werden, berichten Marktteilnehmer von einer zunehmenden Nutzung von Sekundärtransaktionen, um teilweise Liquidität und Bewertungsbenchmarks bereitzustellen. Es wird erwartet, dass plattformgestützte Sekundäremissionen bis 2026 weiter zunehmen und die Abhängigkeit von binären Exit-Ergebnissen verringern werden.
Regulatorische Kontinuität stärkt das Vertrauen
Das regulatorische Umfeld der Schweiz bleibt ein Wettbewerbsvorteil. Im Gegensatz zu mehreren EU-Ländern hat die Schweiz abrupte Veränderungen vermieden, die sich auf private Investitionsstrukturen auswirken. Die Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung und Transparenz formalisieren weitgehend die bestehende Praxis unter professionellen Managern, anstatt neue Belastungen einzuführen.
Auch die öffentliche Unterstützung für Innovationen bleibt weiterhin umfangreich. Innosuisse und kantonale Programme finanzieren weiterhin Unternehmen in der Früh- und Wachstumsphase mit und stärken so die Pipeline für den Einsatz von privatem Kapital. Diese institutionelle Kontinuität verringert Reibungsverluste für Investoren und Unternehmen gleichermaßen und unterstützt die langfristige Planung.
Ein strukturell ausgereifter Ausblick für 2026
Der Schweizer Privatkapitalmarkt nähert sich dem Jahr 2026 weniger im Zeichen einer Erholung als vielmehr einer Konsolidierung. Kapital ist weiterhin verfügbar, wird jedoch selektiver eingesetzt, ist transparenter und enger an messbaren wirtschaftlichen Wert geknüpft. Wachstumsunternehmen, KMU und Investoren finden zunehmend über regulierte Plattformen zusammen, die Wert auf Governance, ESG-Ausrichtung und kuratierte Deal Flows legen.
Für die Schweiz bedeutet dies eher eine Rückkehr zu strukturellen Normen als einen Rückschritt. Der Markt ist kleiner als zum Höhepunkt im Jahr 2021, aber auch widerstandsfähiger und besser auf die innenwirtschaftlichen Fundamentaldaten abgestimmt. Für Plattformen und Teilnehmer, die innerhalb dieses disziplinierten Rahmens operieren können, sind die Aussichten zwar nicht überschwänglich, aber dennoch nachhaltig.
Referenzen (APA)
- Bain & Company. (2024). Global Private Equity Report 2024. Bain & Company. https://www.bain.com/insights/global-private-equity-report-2024/
- Crowdfunding Monitor Schweiz. (2024). Crowdfunding Monitor Schweiz 2024. Hochschule Luzern. https://hub.hslu.ch/crowdfunding
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- Startupticker.ch. (2025). Schweizer Risikokapitalbericht 2025. Startupticker.ch AG & SECA. https://www.startupticker.ch/en/swiss-venture-capital-report
- Staatssekretariat für internationale Finanzfragen. (2024). Fintech-Landschaft Schweiz. Schweizerische Eidgenossenschaft. https://www.sif.admin.ch/sif/en/home/finanzmarktpolitik/fintech.html
- Schweizerische Nationalbank. (2024). Finanzstabilitätsbericht. SNB. https://www.snb.ch/en/publications/research/financial-stability-report
- Schweizerischer Verband für Private Equity und Corporate Finance. (2024). Überblick über den Schweizer Private-Equity-Markt. SECA. https://www.seca.ch/