Private Kredite an Schweizer Kreditnehmer und über in der Schweiz ansässige Originierungskanäle beliefen sich bis 2024 auf mehrere Dutzend Milliarden Franken, wobei inländische private Kreditfonds, grenzüberschreitende Direktkredite und plattformvermittelte KMU-Finanzierungen kombiniert wurden, wie aus Schätzungen von Preqin, der Schweizerischen Nationalbank und dem Crowdfunding Monitor Switzerland hervorgeht. Gleichzeitig wird erwartet, dass das weltweit verwaltete Vermögen an privaten Krediten bis 2025 2’000 Milliarden Franken übersteigen wird. Vor diesem Hintergrund tritt die Schweiz in eine Phase ein, in der die Relevanz privater Kredite nicht mehr allein an Wachstumsraten gemessen wird, sondern daran, wie konsequent Underwriting-Standards, Dokumentationsqualität und Transparenz auch unter strengeren finanziellen Bedingungen eingehalten werden.
Ein Kreditmarkt, der nach wie vor von Banken dominiert wird, aber nicht mehr nur von ihnen geprägt ist.
Das Schweizer Unternehmenskreditsystem bleibt strukturell bankorientiert. Dies wird im Finanzstabilitätsbericht der Schweizerischen Nationalbank immer wieder betont, in dem die inländischen Banken weiterhin als gut kapitalisiert und widerstandsfähig beschrieben werden. Dieselben Berichte zeigen jedoch auch, dass die Kreditvergabe an Nicht-Finanzunternehmen seit 2022 trotz stabiler Wirtschaftstätigkeit langsamer gewachsen ist als das nominale BIP. Höhere Zinsen und strengere Risikobewertungen haben das Kreditangebot nicht eingeschränkt, aber sie haben die Differenzierung zwischen standardisierten Bankkrediten und Situationen, die maßgeschneiderte Strukturen erfordern, verschärft.
Diese Unterscheidung ist besonders relevant in einer Wirtschaft, die von kleineren Unternehmen dominiert wird. Laut Bundesamt für Statistik machen KMU 99,7 % der Schweizer Unternehmen aus und stellen rund 67 % der Gesamtbeschäftigung. Viele sind profitabel und konservativ finanziert, entsprechen jedoch nicht immer den Anforderungen für traditionelle Bankkredite, insbesondere in Fällen von Nachfolge, Übernahmen, Ausgliederungen oder Wachstumsinvestitionen mit unregelmäßigen Cashflows. Private Kredite füllen zunehmend diese Lücke, nicht als Ersatz für Banken, sondern als ergänzender Kanal, bei dem Schnelligkeit, Flexibilität bei der Strukturierung und Sicherheit bei der Ausführung einen wirtschaftlichen Mehrwert bieten.
Regulatorische Anreize schufen dauerhaften Raum für Nichtbankenkredite
Die Ausweitung privater Kredite begann nicht erst mit dem jüngsten Straffungszyklus. Sie hat ihre Wurzeln in regulatorischen Änderungen nach der globalen Finanzkrise. Höhere Kapital- und Liquiditätsanforderungen gemäß Basel III veränderten die Wirtschaftlichkeit bestimmter Arten von Unternehmenskrediten in den Bankbilanzen. Selbst in der Schweiz, wo die Risikokultur traditionell konservativ ist, verringerten diese Anreize die Nachfrage nach fremdfinanzierten oder hochgradig maßgeschneiderten Krediten.
Private Kreditfonds und Direktkreditgeber reagierten darauf mit bilateralen Finanzierungslösungen, die auf einzelne Kreditnehmer zugeschnitten werden konnten. Dieses Modell tauscht höhere Spreads gegen eine strengere Kontrolle durch den Kreditgeber, umfangreichere Dokumentationen und in vielen Fällen Sicherheitenpakete, die in syndizierten Bankstrukturen unpraktikabel wären. Für Schweizer mittelständische Unternehmen, insbesondere solche, die international tätig sind, war dieser Kompromiss oft akzeptabel. Für Investoren hat dies den Zugang zu Cash-Yielding-Assets geschaffen, deren Risikoprofil weniger von der Marktliquidität als vielmehr von der Vertragstreue abhängt.
Das globale Wachstum hat private Kredite zu einer gängigen Anlageform gemacht.
Der Schweizer Markt kann nicht isoliert von globalen Trends analysiert werden. Laut PitchBook beliefen sich die weltweit verwalteten privaten Kreditvermögen im Jahr 2023 auf über 1’700 Mrd. USD und werden bis 2025 voraussichtlich 2’000 Mrd. USD überschreiten, wobei die längerfristigen Prognosen bis 2030 bei fast 4’500 Mrd. USD liegen. Diese Expansion wurde durch die Nachfrage institutioneller Anleger nach Rendite, Engagements in variabel verzinslichen Wertpapieren und Diversifizierung weg von den öffentlichen Anleihemärkten angetrieben.
Das Verhalten der Schweizer Institutionen entspricht diesem Muster. Laut Bundesamt für Statistik beliefen sich die Vermögenswerte der beruflichen Altersvorsorge im Jahr 2024 auf rund 1’210 Mrd. CHF, wobei alternative Anlagen etwa 16,1 % der Portfolios ausmachten, gegenüber 12,8 % im Jahr 2018. Private Schuldtitel haben innerhalb dieser Allokation eine stabile Position erobert, was ihre Ertragseigenschaften und ihre im Vergleich zu Aktien geringere Marktwertvolatilität widerspiegelt. Was sich geändert hat, ist nicht die strategische Rolle privater Kredite, sondern die genaue Prüfung ihrer Umsetzung.
Die Spannungen an den Märkten verdeutlichen eher eine Streuung als eine systemische Schwäche.
Die jüngsten Zahlungsausfälle und Umstrukturierungen haben die Aufmerksamkeit auf Schwächen in Teilen des Leveraged-Finance-Marktes gelenkt. Fälle wie Tricolor Holdings und First Brands Group haben in Marktkommentaren eine herausragende Rolle gespielt. Wie in Analysen von Vermögensverwaltern und Ratingagenturen, darunter Moody's, festgestellt wurde, konzentrierten sich die Verluste in diesen Fällen überwiegend auf den Konsortialkreditmarkt und CLO-Strukturen und weniger auf konservativ vergebene bilaterale Privatkredite.
Diese Unterscheidung ist für die Schweiz von Bedeutung. Sie unterstreicht, dass “Private Credit” keine homogene Anlageklasse ist. Leistungsunterschiede werden zunehmend durch den Verschuldungsgrad, die Schutzklauseln, die Durchsetzbarkeit von Sicherheiten und die Fähigkeit des Kreditgebers, frühzeitig einzugreifen, bestimmt. Daten von Moody's zeigen, dass die Ausfallraten bei europäischen Private-Credit-Anleihen weiterhin unter denen von breit syndizierten Krediten liegen, die Streuung jedoch zugenommen hat. Für Anleger hat sich dadurch der Fokus von den durchschnittlichen Renditen auf die Struktur und Governance auf Transaktionsebene verlagert.
Senior Secured Lending bleibt das Schweizer Kerngeschäft
In der Schweiz dominieren weiterhin vorrangig besicherte Direktkredite das Privatkreditgeschäft. Diese Kredite stehen in der Regel an erster Stelle in der Kapitalstruktur, sind durch Vermögenswerte des Kreditnehmers besichert und enthalten Vereinbarungen, die eine frühzeitige Erkennung von Verschlechterungen ermöglichen. Durch variable Zinssätze sind die Nominalzinsen in einem Umfeld mit höheren Zinsen gestiegen, ohne dass sich das Durationsrisiko erhöht hat.
Preqin schätzt, dass auf die Schweiz ausgerichtete Private-Debt-Strategien im Jahr 2024 rund 4,8 Mrd. CHF einbrachten, wobei vorrangig besicherte Kredite den Großteil des neuen Kapitals ausmachten. Die Bonität der Kreditnehmer war dabei ein entscheidender Faktor. Schweizer mittelständische Unternehmen weisen in der Regel eine moderate Verschuldung, eine stabile Cash-Generierung und eine vergleichsweise starke Unternehmensführung auf, unabhängig davon, ob sie sich in Familienbesitz befinden oder von erfahrenen Private-Equity-Sponsoren unterstützt werden. Auch Asset-Backed-Kredite und infrastrukturbezogene Kredite haben aufgrund ihrer vorhersehbaren Einnahmequellen und vertraglichen Absicherungen Interesse geweckt.
Private Kredite nähern sich der Wachstumsfinanzierung
Private Kredite sind nicht mehr nur auf etablierte, Cashflow-starke Unternehmen beschränkt. Die Neubewertung von Wachstumskapital seit 2022 hat dessen Relevanz für eine Untergruppe von Unternehmen in der Wachstumsphase erhöht. Die Investitionen in Schweizer Start-ups gingen gegenüber dem Höchststand von 2021–2022 stark zurück. Je nach Quelle beliefen sich die Gesamtinvestitionen im Jahr 2024 laut Startupticker.ch, Swissnex und dem Swiss Venture Capital Report auf etwa 2,3 bis 3,3 Milliarden Schweizer Franken, wobei der Rückgang vor allem die Spätphasenfinanzierungen betraf.
Gleichzeitig bleibt die Innovationspipeline der Schweiz weiterhin stark. Das Bundesamt für Statistik meldet jährliche Forschungs- und Entwicklungsausgaben in Höhe von rund 25 Mrd. CHF, was 3,4 % des BIP entspricht und weltweit zu den höchsten Quoten zählt. Daten des Europäischen Investitionsfonds zeigen, dass die mittlere Ausstiegsdauer für Schweizer Venture-finanzierte Unternehmen bei 9,3 Jahren liegt. In diesem Zusammenhang haben Venture Debt, umsatzbasierte Finanzierungen und andere hybride Kreditinstrumente an Bedeutung gewonnen. Sie ermöglichen es Unternehmen mit wiederkehrenden Umsätzen und glaubwürdiger Visibilität, ihre Laufzeiten zu verlängern, ohne stark diskontierte Eigenkapitalrunden akzeptieren zu müssen. Für Kreditgeber erhöhen diese Strukturen das Risiko im Vergleich zu traditionellen vorrangigen Darlehen, was die Bedeutung der Dokumentation und Überwachung verstärkt.
Plattformen wandeln private Kredite in kleinere, regulierte Tickets um.
Ein charakteristisches Merkmal der Schweiz ist die Rolle regulierter digitaler Plattformen bei der Erweiterung des Zugangs zu privaten Krediten. Gemäss FinSA und FinIA unterliegen solche Plattformen einem klaren regulatorischen Rahmen, der Transparenz und Anlegerschutz in den Vordergrund stellt. Der von der Hochschule Luzern veröffentlichte Crowdfunding Monitor Switzerland weist für 2023 ein Gesamtvolumen von 558,7 Millionen Schweizer Franken aus. Davon entfielen 398,1 Millionen Schweizer Franken auf Crowdlending, vor allem KMU- und Verbraucherkredite. Obwohl das Volumen im Jahresvergleich zurückging, waren Anfang 2024 rund 36 in der Schweiz ansässige Plattformen aktiv.
Diese Zahlen sind im Vergleich zu den institutionellen privaten Kreditmärkten nach wie vor gering, aber sie sind groß genug, um zu zeigen, dass der Zugang nicht mehr auf große Fonds beschränkt ist. Für private Anleger bieten plattformvermittelte Kredite Diversifizierung und direktes Engagement, aber sie wecken auch Erwartungen hinsichtlich der Berichterstattung, der Offenlegung von Vereinbarungen und der Portfolioüberwachung. In einem selektiveren Markt werden Plattformen weniger nach ihrem Volumenwachstum als vielmehr nach der Robustheit ihrer Originierungs- und Überwachungsprozesse beurteilt.
Das Verhalten der Anleger konvergiert über alle Segmente hinweg.
Institutionelle Anleger sind nach wie vor die größten Anbieter von privatem Kreditkapital, aber die Zugangsmodelle nähern sich einander an. PitchBook berichtet, dass semi-liquide und Evergreen-Privatkreditvehikel in der ersten Hälfte des Jahres 2025 weltweit 86,4 Mrd. USD aufgebracht haben, gegenüber 57,4 Mrd. USD im gleichen Zeitraum des Jahres 2024. Diese Strukturen zielen darauf ab, den Zugang zu erweitern und gleichzeitig die Zeichnungsdisziplin beizubehalten.
Schweizer Privatanleger und Family Offices schließen sich diesem Trend zunehmend an. Der Reiz liegt in regelmäßigen Barausschüttungen und einer geringeren Korrelation mit den börsennotierten Märkten, verbunden mit einem Maß an Transparenz, das traditionelle geschlossene Fonds nicht immer bieten. Der Nachteil ist das Liquiditätsmanagementrisiko, wodurch Bewertungsmethoden und Rücknahmekontrollen an Bedeutung gewinnen.
Liquidität und Sekundärmärkte gewinnen an Bedeutung
Obwohl private Kredite nicht in gleicher Weise wie Eigenkapital auf einen Ausstieg ausgerichtet sind, hat das Liquiditätsmanagement an Bedeutung gewonnen. Evercore schätzt das Volumen des europäischen Sekundärmarktes für 2024 auf rund 130 Mrd. EUR. Schweizer Vermögenswerte werden zunehmend einbezogen, auch wenn genaue Zahlen nicht bekannt gegeben werden. Sekundärtransaktionen ermöglichen es Anlegern, ihre Portfolios neu auszurichten und die Laufzeit zu steuern, wodurch sie weniger auf Annahmen hinsichtlich der Haltedauer angewiesen sind.
Plattformgestützte Sekundärmechanismen tragen durch die Möglichkeit von Teilausstiegen und Portfolioanpassungen zusätzlich zur Flexibilität bei. Diese Entwicklungen sind eher inkrementell als transformativ, spiegeln jedoch einen reifen Markt wider, in dem Liquidität verwaltet und nicht vorausgesetzt wird.
Regulierung und öffentliche Politik stärken das Vertrauen
Die regulatorische Stabilität der Schweiz bleibt ein Wettbewerbsvorteil. Im Gegensatz zu einigen EU-Ländern hat die Schweiz abrupte Eingriffe in private Kreditstrukturen vermieden. Nachhaltigkeits- und Transparenzanforderungen wurden schrittweise eingeführt und kodifizieren weitgehend die bestehende Praxis professioneller Kreditgeber. Die öffentliche Förderung von Innovationen durch Instrumente wie Innosuisse stärkt indirekt die Bonität der Kreditnehmer und unterstützt die Finanzierung in späteren Phasen.
Selektivität wird zum entscheidenden Kriterium
Mit zunehmender Reife privater Kredite ist Selektivität nicht mehr nur eine Frage der Rhetorik, sondern eine Notwendigkeit. In der Praxis bedeutet dies konservative Annahmen hinsichtlich der Verschuldung, Vereinbarungen, die eher eine Frühwarnfunktion als eine kosmetische Beruhigung haben, Sicherheiten, die über verschiedene Rechtsordnungen hinweg durchsetzbar sind, und eine Berichterstattung, die es Anlegern ermöglicht, die Performance kontinuierlich zu bewerten. Zahlungsausfälle sind eher Prozesse als Ereignisse, und ihre Folgen hängen von der Vorbereitung und der Unternehmensführung ab.
Für die Schweiz ist die Konsequenz klar. Der private Kreditmarkt wird sich bis 2026 nicht durch eine Rückkehr zu reichlich vorhandener Liquidität auszeichnen, sondern durch die Qualität seiner Vertrauensinfrastruktur. Plattformen, Fonds und Kreditgeber, die diszipliniertes Underwriting mit transparentem Zugang verbinden, sind gut positioniert, um relevant zu bleiben. Diejenigen, die private Kredite eher als Renditeprodukt denn als governanceintensives Geschäft betrachten, dürften Schwierigkeiten haben, wenn der Zyklus weniger nachsichtig wird.
Referenzen (APA)
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