Die Schweiz beschreitet ihren eigenen Weg in der künstlichen Intelligenz

Die Schweiz erschließt mit dem ersten vollständig offenen, souveränen großen Sprachmodell eine neue KI-Frontier

Die Schweiz schlägt einen neuen Kurs in Sachen künstliche Intelligenz ein. Im Jahr 2025 führte das Land sein erstes vollständig offenes und souveränes großes Sprachmodell ein, das Unternehmen, Forschern und Behörden Zugang zu einem in der Schweiz entwickelten und gehosteten KI-System ermöglicht. Diese Entwicklung signalisiert einen Schritt hin zu größerer Unabhängigkeit, stärkerem Datenschutz und einem mehrsprachigen Ansatz, der auf den Werten der Schweiz basiert. Start-ups, Forschungseinrichtungen und Infrastrukturanbieter beginnen, ein Ökosystem zu bilden, das Einfluss darauf haben könnte, wie Schweizer Unternehmen, Behörden und Bürger KI nutzen und wie sich das Land in der europäischen Technologielandschaft positioniert.

Ein Sektor, der einst vom Ausland dominiert wurde

Jahrelang wurde der globale KI-Bereich von einer Handvoll ausländischer Technologieunternehmen geprägt, die hochleistungsfähige, aber geschlossene Systeme auf den Markt brachten. Ihre Modelle gaben keine Einblicke in Trainingsdaten oder interne Strukturen und ließen den Nutzern nur begrenzte Einblicke in die Entscheidungsfindung. Schweizer Forscher untersuchten kleinere Modelle, aber der Mangel an einer souveränen KI-Infrastruktur schränkte eine breitere Einführung ein, insbesondere in Branchen mit strengen Datenschutzanforderungen wie dem Finanzwesen, dem Gesundheitswesen und der öffentlichen Verwaltung.

Schweizer Universitäten und Forschungslabors haben Fachwissen in den Bereichen maschinelles Lernen und Hochleistungsrechnen aufgebaut, doch bis 2025 gab es in der Schweiz kein nationales Open-Source-Modell, das den Schweizer Standards in Bezug auf Transparenz, Neutralität und mehrsprachige Inklusivität entsprach.

Der Durchbruch kommt 2025

Dies änderte sich mit der Einführung von Apertus, einem groß angelegten mehrsprachigen Modell, das von der EPFL, der ETH Zürich und dem Schweizerischen Nationalsupercomputingzentrum entwickelt wurde. Apertus wurde auf dem Supercomputer Alps mit 15 Billionen Tokens trainiert und in zwei Versionen mit 8 Milliarden und 70 Milliarden Parametern veröffentlicht. Alle Komponenten, einschließlich Architektur, Datensätze, Modellgewichte und Dokumentation, wurden unter einer Apache 2.0-Lizenz veröffentlicht.
Etwa 40 Prozent der Trainingsdaten stammen aus nicht-englischen Quellen, wodurch Apertus über starke mehrsprachige Fähigkeiten verfügt, die sich bis auf Schweizerdeutsch und Rätoromanisch erstrecken. Die offene Veröffentlichung fördert die Transparenz und ermöglicht es Schweizer Ingenieuren und Institutionen, das Modell zu untersuchen und anzupassen.
Gleichzeitig wurde die Infrastruktur verfügbar. Die Phoenix Technologies AG kündigte an, Apertus auf einer souveränen Schweizer Cloud zu hosten, um sicherzustellen, dass die mit dem Modell verarbeiteten Daten innerhalb der Schweizer Gerichtsbarkeit bleiben. Für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen, die sich mit Datenkontrolle befassen, entstand damit eine Alternative zu im Ausland gehosteten Systemen und es öffneten sich neue Möglichkeiten für Anwendungen, die Vertraulichkeit und Compliance erfordern.

Ein Markt auf der Suche nach vertrauenswürdigen Systemen

In ganz Europa wächst das Interesse an offener und souveräner KI. Regulatorische Rahmenbedingungen wie der European AI Act erhöhen die Nachfrage nach Modellen, die strenge Governance-Standards erfüllen. In diesem Umfeld bieten Open-Source-Systeme klare Vorteile, da sie überprüft, auditiert und angepasst werden können.
Für die Schweiz ist dies eine bedeutende Chance. Apertus bietet eine nationale Grundlage, auf der Start-ups, KMU und Institutionen ihre Dienstleistungen aufbauen können. Anstatt sich auf proprietäre ausländische Systeme zu verlassen, können inländische Entwickler Produkte unter Schweizer Kontrolle mit klarer Überprüfbarkeit erstellen. Dies könnte die Grundlage für ein Schweizer KI-Ökosystem bilden, das in der Lage ist, konforme Lösungen in ganz Europa anzubieten, unterstützt durch den Ruf der Schweiz für Neutralität und regulatorische Zuverlässigkeit.

Das internationale Kapital hat dies bereits erkannt. Lokalen Berichten zufolge stammen mehr als 85 Prozent der Deep-Tech-Finanzierungen in der Schweiz aus dem Ausland, angezogen von der Forschungsstärke und der politischen Stabilität des Landes. Angesichts der europaweit steigenden Nachfrage nach souveräner KI dürfte die Schweiz ihre Rolle als Anbieter vertrauenswürdiger Technologien weiter ausbauen.

Schweizer Schauspieler nehmen ihre Positionen ein

Apertus bleibt das zentrale Element dieses Wandels. Die an seiner Entwicklung beteiligten Forscher beschreiben das Modell als Vorlage für vertrauenswürdige KI und erwarten, dass sich zukünftige Versionen auf Bereiche wie Recht, Klimaforschung, Gesundheit und Bildung spezialisieren werden.

Die Phoenix Technologies AG stellt die Infrastruktur bereit. Durch das Hosting von Apertus in einer souveränen Schweizer Cloud ermöglicht das Unternehmen Institutionen die Bereitstellung von Anwendungen, ohne Daten über die Landesgrenzen hinaus zu übertragen. Diese Kombination aus offenem Modell und inländischem Hosting bildet die Grundlage für eine Welle neuer Unternehmen, die sich mit Feinabstimmung, Compliance-Tools, Bereitstellungsdiensten und branchenspezifischen Anwendungen befassen.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen reichen über das Labor hinaus.

Der Aufstieg souveräner Open-Source-KI beginnt, Teile der Wirtschaft neu zu gestalten. In den Bereichen Forschung, Ingenieurwesen, Datenwissenschaft und Cloud-Betrieb entstehen neue Arbeitsplätze. Durch die Verringerung der Abhängigkeit von ausländischen Systemen kann die Schweiz mehr Wertschöpfung innerhalb ihrer eigenen Grenzen halten und Dienstleistungen in stark regulierten Branchen anbieten. Finanzunternehmen, Gesundheitsdienstleister und Behörden können KI-Tools einsetzen, ohne sich um die Offenlegung von Daten sorgen zu müssen. Dieser Wandel stärkt die digitale Souveränität und fördert Innovationen, indem er die Eintrittsbarrieren für Start-ups senkt.

Die nächsten Schritte

Die Veröffentlichung von Apertus markiert den Beginn eines mehrjährigen Übergangs. Eine breitere Einführung im Jahr 2026 wird in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen erwartet, die transparente und kontrollierbare KI-Systeme benötigen. Das inländische Ökosystem der KI-Dienstleister dürfte sich mit Feinabstimmungsdiensten, Compliance-Lösungen und branchenspezifischen Anwendungen erweitern. Kapitalzuflüsse von Schweizer und internationalen Investoren werden die Rolle des Landes als Deep-Tech-Hub stärken. Mit bewährten Tools und einer zuverlässigen Infrastruktur sind Schweizer Unternehmen gut positioniert, um KI-Dienstleistungen in ganz Europa anzubieten.

Eine Landschaft, die jetzt Unterstützung benötigt

Damit dieses aufstrebende Ökosystem wachsen kann, benötigen Start-ups Kapital und Beratung. Organisationen wie CapiWell unterstützen Unternehmen in der Wachstumsphase dabei, Finanzmittel zu beschaffen, regulatorische Hürden zu überwinden und Kontakte zu Investoren zu knüpfen, die langfristige Innovationen fördern. Unternehmen, die sich mit souveränen KI-Infrastrukturen, Modellanpassungen oder Anwendungsentwicklungen befassen, können von dieser Art der Unterstützung profitieren, da die Nachfrage nach KI-Lösungen aus der Schweiz steigt.

Die Einführung von Apertus markiert einen neuen Abschnitt in der Schweizer Herangehensweise an künstliche Intelligenz. Durch die Entwicklung und das Hosting eigener großer Sprachmodelle übernimmt das Land die Kontrolle über seine digitale Zukunft und legt den Grundstein für ein wettbewerbsfähiges, mehrsprachiges und transparentes KI-Ökosystem. Die Richtung ist klar: Die Schweiz beschreitet ihren eigenen Weg in einem Bereich, der einst vom Ausland dominiert wurde.

Referenzen (APA)

  • EPFL, ETH Zürich & CSCS. (2. September 2025). Apertus: ein vollständig offenes, transparentes und mehrsprachiges großes Sprachmodell.https://ethz.ch/en/news-and-events/eth-news/news/2025/09/press-release-apertus-a-fully-open-transparent-multilingual-language-model.html
  • GPBa. (3. September 2025). Die Schweiz lanciert Apertus, ein vollständig offenes, mehrsprachiges Großsprachenmodell. https://ggba.swiss/en/switzerland-launches-apertus-a-fully-open-multilingual-large-language-model/
  • Deep Tech Nation Switzerland. (2025). Schweiz: Wo KI-Chancen auf Vertrauen treffen.https://deeptechnation.ch/dtn-news/switzerland-where-ai-opportunity-meets-trust/
  • Swisscom News. (September 2025). Die Schweiz führt ein Open-Source-KI-Modell ein, das im öffentlichen Interesse entwickelt wurde.https://www.swisscom.ch/en/about/news/2025/09/02-apertus.html
  • Organisator.ch. (2025, September). Erste vollständige Schweizer End-to-End-Lösung für souveräne KI.https://www.organisator.ch/en/operational+excellence/2025-09-09/erste-vollstaendige-schweizer-end-to-end-loesung-fuer-souveraene-ki/

News und Ressourcen