Die privaten Kapitalmärkte treten in eine Phase ein, in der strukturelle Kräfte eine größere Rolle spielen als kurzfristige Zyklen. Investoren und Vermögensverwalter stützen ihre Entscheidungen zunehmend auf langfristige Dynamiken wie den technologischen Wandel, Klimarisiken, die Energiewende, geopolitische Umstrukturierungen und die demografische Alterung. Diese Kräfte überschneiden sich und verstärken sich gegenseitig. Ihre Auswirkungen sind in den Bereichen Immobilien, Infrastruktur, Private Equity und Vermögensallokation sichtbar. Die Schweiz mit ihren stabilen Institutionen und ihrem von Knappheit geprägten Immobilienmarkt ist stark auf die Entwicklungen ausgerichtet, die die Kapitalströme in ganz Europa neu gestalten.
Technologie und die Suche nach widerstandsfähigen Vermögenswerten
Nur wenige Faktoren beeinflussen die privaten Kapitalmärkte stärker als die Technologie. Die rasante Entwicklung von künstlicher Intelligenz, Cloud Computing und fortschrittlichen Fertigungsverfahren verändert die Art und Weise, wie Unternehmen Flächen nutzen und wie Städte ihre Wirtschaftstätigkeit organisieren. Untersuchungen von Aviva Investors (2025) zeigen, dass hochwertige Büros in Innenstädten zu den Spitzenreitern aller Immobilienkategorien zählen, da sie von einer starken Mieternachfrage und hohen Digitalisierungsanforderungen profitieren.
Zürich hat sich zu einem der am schnellsten wachsenden Dateninfrastruktur-Hubs in Kontinentaleuropa entwickelt. CBRE (2025) schätzt, dass die Region im Jahr 2025 eine installierte Rechenzentrumskapazität von über 150 MW erreicht hat, wobei weitere 120 MW in Planung oder im Bau sind. Diese Einrichtungen erfordern erhebliche Immobilieninvestitionen und langfristige Energieverträge, was verdeutlicht, wie technologische Megatrends Kapital in bestimmte Arten von widerstandsfähigen Vermögenswerten lenken.
Klimarisiken und der Wandel der bebauten Umwelt
Klima- und Umweltrisiken verändern die Immobilienmärkte und damit auch die privaten Kapitalmärkte strukturell. Die Schweiz sieht sich mit zunehmender Hitzeeinwirkung, häufigeren Starkniederschlägen und strengeren Energiestandards für Gebäude konfrontiert. Entsprechend hat die Renovierungstätigkeit zugenommen. Das Bundesamt für Statistik (2024) berichtet, dass das Renovierungsvolumen um 7,4 Prozent gestiegen ist, unterstützt durch kantonale Subventionen und Klimaziele von Unternehmen.
Die Preisstabilität hat dazu beigetragen, dass der Sektor wieder an Dynamik gewonnen hat. Der nationale Baupreisindex stieg zwischen Oktober 2024 und April 2025 nur um 0,6 Prozent, nachdem mehrere Jahre lang eine rasante Kosteninflation zu verzeichnen war (FSO, 2025). Diese Stabilisierung ermutigte Bauträger dazu, aufgeschobene Projekte wieder aufzunehmen, insbesondere im Bereich Mehrfamilienhäuser.
Die strukturelle Knappheit bleibt ein prägendes Merkmal des Wohnimmobilienmarktes. Die Leerstandsquote in der Schweiz liegt bei 1,15 Prozent, verglichen mit einem EU-Durchschnitt von rund 6 Prozent. In Zürich beträgt die Leerstandsquote 0,35 Prozent, in Genf 0,45 Prozent. Die Angebotsmieten stiegen 2024 um 3,8 Prozent und werden laut Wüest Partner (2025) 2025 voraussichtlich um weitere 2,5 bis 3,0 Prozent steigen. Das Bevölkerungswachstum von 74’000 Menschen im Jahr 2024 verstärkt diesen Druck und stärkt die langfristige Nachfrage nach dicht bebauten städtischen Wohnräumen.
Die Energiewende beschleunigt den Investitionsbedarf
Der Übergang zu erneuerbaren Energien ist einer der stärksten langfristigen Treiber für die Allokation von Privatkapital. Die TREND-Analyse (2025) von Aviva Investors hebt die Infrastruktur für erneuerbare Energien und Stromnetze als die Anlageklassen mit der höchsten positiven Konvergenz zwischen den globalen Megatrends hervor.
In der Schweiz sind die Investitionsanforderungen beträchtlich. Nach Angaben des Bundesrats (2025) sind zur Erreichung der nationalen energiepolitischen Ziele bis 2030 Netzausbauten im Wert von 2,5 bis 3,0 Milliarden Franken erforderlich. Der mehrjährige Planungsrahmen von Swissgrid (2025) sieht mehr als 3,5 Milliarden CHF für die Modernisierung und den Ausbau des Netzes vor. Auch Wasserkraftwerke erfordern Reinvestitionen und neue Speicherlösungen, da der Strombedarf, unter anderem aufgrund der digitalen Infrastruktur, weiter steigt.
Die Verkehrsinfrastruktur verstärkt diesen Trend. Das nationale Investitionsprogramm der Schweiz für den Zeitraum 2025–2028 sieht jährlich rund 11,9 Milliarden Schweizer Franken für Strassen, Schienen und digitale Netze vor. Diese langfristigen Verpflichtungen schaffen Transparenz für Bauunternehmen und institutionelle Anleger, die stabile, regulierte Renditen anstreben.
Eine neue Weltordnung und das Streben nach Stabilität
Geopolitische Umbrüche verändern die Lieferketten und das Investitionsverhalten auf den privaten Kapitalmärkten. Deglobalisierungstendenzen, Sicherheitsbedenken und Handelsspannungen beeinflussen die Kapitalallokation von Unternehmen. In diesem Zusammenhang hat der Wert vorhersehbarer Rechtsordnungen zugenommen.
Der BCG Global Wealth Report (2025) stellt fest, dass Schweizer Institutionen grenzüberschreitendes Vermögen in Höhe von fast 2,5 Billionen CHF verwalten und damit den Status der Schweiz als weltweit führender internationaler Vermögensstandort sichern. Vermögende Privatpersonen und Familien verlagern einen Teil ihres Vermögens zunehmend in Sachwerte mit geringem politischen und rechtlichen Risiko. Die Werte von Wohnimmobilien sind seit 2000 um etwa 85 Prozent gestiegen, wobei Zürich, Genf, Lausanne und Zug einen Anstieg von mehr als 120 Prozent verzeichnen. Diese Märkte bleiben aufgrund des strukturellen Angebotsdefizits und hoher Eintrittsbarrieren abgeschottet.
Alternde Gesellschaften und der Druck auf den städtischen Raum
Die demografische Alterung ist eine der langsamsten, aber einflussreichsten Kräfte auf den privaten Kapitalmärkten. Das Durchschnittsalter in der Schweiz liegt mittlerweile bei über 43 Jahren, und die Zahl der über 65-Jährigen wird bis 2030 die 2-Millionen-Marke überschreiten. Die schrumpfende Haushaltsgröße erhöht die Nachfrage nach Wohnraum, auch ohne starkes Bevölkerungswachstum.
Der Schweizerische Baumeisterverband (2025) rechnet damit, dass im Jahr 2025 rund 44’000 neue Wohneinheiten fertiggestellt werden, gestützt durch mehrere Quartale mit Wachstum im Wohnungsbau. Die Auftragsbücher bleiben bis Anfang 2026 gut gefüllt, obwohl die Baugesuche gegen Ende 2025 zurückgingen. Mehrfamilienhäuser machen mehr als 80 Prozent der geplanten neuen Einheiten aus, was die langfristige Urbanisierung und die Knappheit an Bauland widerspiegelt.
Auch das Gesundheitswesen und die soziale Infrastruktur reagieren auf demografische Veränderungen. Die Nachfrage nach Krankenhausrenovierungen, Forschungseinrichtungen und Pflegeheimen wächst weiter und stützt damit spezialisierte Bausegmente, die stark mit demografischen Megatrends korrelieren.
Infrastruktur als strategischer Anker
Im gesamten TREND-Rahmen sticht die Infrastruktur als das Segment mit den stärksten strukturellen Rückenwindfaktoren hervor. Anlagen für erneuerbare Energien, Stromnetze, Verkehrsnetze und digitale Systeme verbinden technologische Relevanz mit politischer Unterstützung und stabiler Nachfrage.
Schweizer Unternehmen, die in diese Lieferketten integriert sind, profitieren weiterhin davon. Der Auftragsbestand von Implenia erreichte im ersten Halbjahr 2025 7,8 Milliarden CHF, unterstützt durch Tunnelbau, Brückensanierungen und spezialisierte Immobilienaufträge (Implenia, 2025). Belimo verzeichnete ein Umsatzwachstum von 20,6 Prozent in lokalen Währungen, angetrieben durch Lüftungs- und Klimatisierungssysteme in Krankenhäusern, Universitäten und Rechenzentren (Belimo, 2025). Zehnder meldete für das erste Halbjahr 2025 ein Wachstum von 24 Prozent in seinem Geschäftsbereich Lüftung (Zehnder Group, 2025).
Diese Indikatoren zeigen, dass sich die Erholung im Bauwesen über den Wohnungsbau hinaus auch auf langfristige Infrastrukturinvestitionen erstreckt, die eine wesentliche Säule der privaten Kapitalmärkte darstellen.
Privates Kapital bewegt sich in Richtung struktureller Allokation
Megatrends, die als langfristige strukturelle Kräfte wie technologischer Wandel, demografische Verschiebungen, Klimabelastungen und geopolitische Neuausrichtung beschrieben werden, beeinflussen ebenfalls das Verhalten von Kapitalallokatoren. Schweizer Pensionskassen verwalten mehr als 1’300 Milliarden CHF, doch ihr Engagement an den privaten Kapitalmärkten ist im internationalen Vergleich nach wie vor gering: rund 2 Prozent in Infrastruktur, 5 bis 6 Prozent in Private Equity und weniger als 0,1 Prozent in Risikokapital. Vergleichbare Fonds in den nordischen Ländern und den Niederlanden weisen deutlich höhere Allokationen auf.
Globale Umfragen zum privaten Vermögen zeigen ein erneutes Interesse an Sachwerten. UBS und PwC (2025) berichten, dass 33 Prozent der Großvermögenden planen, ihre Immobilienanlagen innerhalb von zwölf Monaten zu erhöhen, während nur 20 Prozent mit einer Verringerung rechnen. Gold, Kunst und Investitionen auf dem privaten Markt zeigen ähnliche Interessensmuster, was die Präferenz für Vermögenswerte widerspiegelt, die gegenüber Inflation und geopolitischer Volatilität widerstandsfähig sind.
Als Reaktion darauf entstehen digitalisierte Investitionsstrukturen. Der traditionelle direkte Immobilienbesitz bleibt kapitalintensiv und betrieblich anspruchsvoll. Neue Plattformen für Teileigentum ermöglichen Investoren den Zugang zu Immobilien in institutioneller Qualität mit niedrigeren Einstiegsschwellen. Diese Modelle veranschaulichen eine breitere Bewegung hin zur Demokratisierung der privaten Kapitalmärkte und zeigen, dass sich die Zugangsstrukturen parallel zu den Megatrends weiterentwickeln.
Ein Markt, der durch langfristige Perspektiven geprägt ist
Megatrends bergen sowohl Risiken als auch Chancen für die privaten Kapitalmärkte, doch ihr Einfluss ist grundsätzlich langfristig.
- Technologie verändert die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien.
- Die Anpassung an den Klimawandel verändert die bebaute Umwelt.
- Die Energiewende lenkt Investitionen in Richtung Netze und Speicher um.
- Geopolitische Unsicherheit erhöht den Wert von Stabilität.
- Alternde Gesellschaften verändern die Anforderungen an Wohnraum und Infrastruktur.
Die Schweiz befindet sich am Schnittpunkt dieser Kräfte. Knappe Immobilienmärkte, anhaltende Nachfrage nach Infrastruktur, eine innovationsreiche Wirtschaft und rechtliche Verlässlichkeit verschaffen dem Land eine strategische Position in einer Welt, in der Investoren zunehmend Resilienz gegenüber Rotation bevorzugen. Mit dem Herannahen des Jahres 2026 werden die privaten Kapitalmärkte diese Dynamik weiterhin widerspiegeln. Strukturelle Kräfte, nicht kurzfristige Zyklen, bestimmen das nächste Kapitel.
Referenzen (APA)
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https://www.pwc.com/gx/en/research-insightsWüest Partner. (2025). Immobilienmarktprognose 2025. Wüest Partner AG.
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