Die Bewertung von Schweizer Biotech-Unternehmen verstehen: Barwert, Risiko und Marktdaten

Erfahren Sie, warum Schweizer Biotech-Startups komplexe mathematische Modelle verwenden, um ihren Wert zu ermitteln, und wie risikobereinigte Modelle Investoren dabei helfen, den wahren Wert neuer Medikamente zu ermitteln.

Im Februar 2025 ging das Schweizer Biotech-Unternehmen BioVersys mit einem Wert von 213 Millionen Schweizer Franken an die Börse. Zuvor hatte Alentis Therapeutics 163 Millionen Schweizer Franken aufgebracht. Bei diesen hohen Summen geht es nicht nur darum, Geld zu sammeln. Sie zeigen, wie Experten den Wert wissenschaftlicher Forschung, mögliche Risiken und den langen Weg bis zur Vermarktung eines neuen Medikaments berechnen.

Fachleute in Zürich und Genf wenden bestimmte Methoden an, um zu entscheiden, ob eine Investition in Biotechnologie sinnvoll ist. Softwareunternehmen werden oft danach bewertet, wie viel Geld sie derzeit verdienen. Bei Biotechnologieunternehmen ist das anders. Sie verdienen heute oft kein Geld. Stattdessen werden sie anhand von Medikamenten bewertet, die Patienten in Zukunft helfen könnten. Experten verwenden mathematische Methoden, um die Erfolgschancen abzuschätzen. Selbst neue Investoren können diese Grundregeln lernen.

Warum Biotechnologie sich von Software unterscheidet

Die meisten Unternehmen werden nach dem bewertet, was sie heute besitzen. Biotech-Unternehmen werden nach dem bewertet, was sie morgen schaffen könnten. Ein Softwareunternehmen mit einem Umsatz von 10 Millionen CHF ist leicht zu bewerten. Ein Biotech-Unternehmen ohne Umsatz, aber mit guten Testergebnissen erfordert einen anderen Ansatz.

Der Hauptunterschied liegt in der Art des Risikos. Softwareunternehmen können ihr Produkt ändern, wenn es den Nutzern nicht gefällt. Biotech-Unternehmen können ein Medikament nicht einfach korrigieren, wenn ein wichtiger Test fehlschlägt. Das Medikament wirkt entweder oder es wirkt nicht.

Drei Faktoren erschweren diese Berechnung. Erstens dauert die Entwicklung eines neuen Medikaments 8 bis 15 Jahre. Zweitens können wir anhand der Vergangenheit abschätzen, wie hoch die Erfolgschancen eines Medikaments sind. Drittens schützen Patente erfolgreiche Medikamente vor Nachahmern, was für einen bestimmten Zeitraum den Absatz garantiert.

Die Stiftung: Barwert

Experten beginnen mit einem Instrument namens Nettobarwert (NPV). Diese Methode berechnet, was zukünftiges Geld heute wert ist. Bei einem Biotech-Unternehmen wird bei dieser Berechnung der Gewinn berücksichtigt, den ein erfolgreiches Medikament einbringen wird. Davon werden dann die Entwicklungskosten des Medikaments abgezogen. Schließlich wird dieser Betrag angepasst, um seinen heutigen Geldwert anzuzeigen.

Die Berechnung basiert auf mehreren wichtigen Eingaben. Dazu gehören:

  • Spitzenumsatz: Der höchste Umsatz, den das Medikament in einem Jahr erzielen könnte.
  • Erfolgsquoten: Die Wahrscheinlichkeit, dass das Medikament tatsächlich auf den Markt kommt.
  • Diskontsätze: Dieser Prozentsatz berücksichtigt Risiko und Zeit.
  • Markteinführungszeit: Wie viele Jahre verbleiben noch, bis das Medikament verkauft werden kann?.
  • Kosten: Wie viel Geld wird benötigt, um die Tests abzuschließen?.

Ein Biotech-Unternehmen in der Phase-II-Testphase hat eine Wahrscheinlichkeit von etwa 29%, die nächste große Testphase zu erreichen. Normale Unternehmen gehen davon aus, dass sie erfolgreich sein werden. Bei der Bewertung von Biotech-Unternehmen muss davon ausgegangen werden, dass das Projekt scheitern könnte.

Auch die Zeit spielt eine große Rolle. Projekte in der Frühphase unterliegen Diskontsätzen zwischen 12% und 28%. Diese Sätze sind hoch, weil das Risiko hoch ist. Ein Unternehmen in Phase II benötigt 5 bis 8 Jahre, bevor es Gewinne erzielt. Jedes Jahr des Wartens mindert den Wert dieser zukünftigen Gewinne.

Risikoadjustierter Kapitalwert: Planung für den Fall des Scheiterns

Die Standardmathematik geht davon aus, dass alles gut läuft. Der risikobereinigte Kapitalwert (rNPV) berücksichtigt, dass die meisten Medikamente scheitern. Bei dieser Methode wird der erwartete Cashflow mit der Erfolgswahrscheinlichkeit multipliziert. Dieser Schritt senkt die Bewertung erheblich, ist aber ehrlicher.

Die Geschichte zeigt, warum diese Anpassung so wichtig ist. Etwa 65% Medikamente schaffen es vom Labor bis zur Phase I. Nur 29% schaffen es von Phase II bis Phase III. Die Gesamtwahrscheinlichkeit, dass eine brandneue Idee auf den Markt kommt, liegt nur bei 5% bis 6%.

Diese Chancen verbessern sich, wenn Unternehmen Tests bestehen. Ein Unternehmen mit Sicherheitsdaten der Phase II hat bereits die erste große Hürde genommen. Dieser Fortschritt steigert den Wert des Unternehmens. Als Alentis Therapeutics im Jahr 2024 Kapital beschaffte, war der höhere Wert auf die Fortschritte in der klinischen Forschung zurückzuführen.

Vergleich ähnlicher Angebote

Wenn Daten vorliegen, betrachten Experten ähnliche Unternehmen (die vergleichbare Transaktionsmethode). Sie suchen nach aktuellen Investitionen in Unternehmen, die sich in derselben Phase befinden und ähnliche Medikamente entwickeln.

Um dies richtig zu machen, müssen Sie die Details abgleichen. Sie können ein Unternehmen der Phase I nicht mit einem Unternehmen der Phase III vergleichen. Sie müssen auch die Art der Krankheit berücksichtigen. Medikamente für seltene Krankheiten haben weniger Patienten, können aber oft höhere Preise erzielen.

Schweizer Transaktionen aus den Jahren 2023 bis 2025 liefern uns gute Vergleichswerte. ImmunOS Therapeutics hat 71 Millionen CHF für Krebsbehandlungen aufgebracht. Noema Pharma hat 103 Millionen CHF aufgebracht. Diese Zahlen zeigen, was Investoren bereit sind, für Unternehmen in diesen Phasen zu zahlen.

Auch europäische Daten sind hilfreich. Serie-A-Finanzierungsrunden liegen in der Regel zwischen 50 und 150 Millionen US-Dollar. Serie-B-Finanzierungsrunden liegen oft zwischen 100 und 300 Millionen US-Dollar. Schweizer Finanzierungsrunden liegen in der Regel innerhalb dieser Spannen.

Warum die Validierung in der Wachstumsphase wichtig ist

In Unternehmen in der Wachstumsphase zu investieren ist sicherer als in brandneue Start-ups. Unternehmen in der Wachstumsphase verfügen über Daten aus klinischen Studien. Diese Daten reduzieren das Risiko.

Große Meilensteine verändern den Wert eines Unternehmens. Zu den wichtigsten Meilensteinen gehören:

  • Abschluss der Phase I: Beweist, dass das Medikament für Menschen sicher ist.
  • Phase-II-Daten: Liefert den ersten Beweis dafür, dass das Medikament tatsächlich wirkt.
  • Behördliche Einreichung: Basierend auf der bisherigen Entwicklung wird eine Wahrscheinlichkeit von 80% für eine Genehmigung angenommen.

Partnerschaften beweisen ebenfalls den Wert. Wenn ein großes Pharmaunternehmen für die Nutzung der Technologie eines Start-ups bezahlt, zeigt dies Vertrauen. So hat beispielsweise Araris Biotech einen Vertrag im Wert von bis zu 1,14 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Dieser Vertrag bewies, dass ihre Technologie einen echten Wert hat.

Investoren zahlen mehr für Aktien in der Wachstumsphase, weil das Risiko geringer ist. Die Erfolgschancen sind gestiegen, daher ist der höhere Preis gerechtfertigt.

Wie man bewertet, ohne Experte zu sein

Man braucht keinen Doktortitel, um ein schlechtes Geschäft zu erkennen. Es gibt mehrere Dinge, die jeder Investor überprüfen kann.

Suchen Sie zunächst nach der Methode. Unternehmen sollten erklären, wie sie ihren Wert ermittelt haben. Wenn sie einfach “eine Zahl ausgewählt” haben, ist das ein Warnsignal. Sie sollten ähnliche Unternehmen oder ein Risikomodell nennen.

Zweitens sollten Sie die Vergleiche überprüfen. Ein Unternehmen in Phase I sollte nicht behaupten, genauso viel wert zu sein wie ein Unternehmen in Phase III.

Drittens: Überprüfen Sie die Versprechungen. Wenn ein Unternehmen behauptet, es habe eine 100%-Chance auf Erfolg, seien Sie vorsichtig. Reale Daten zeigen, dass Erfolg niemals garantiert ist.

Viertens: Schauen Sie sich den Zeitplan an. Ein Unternehmen in Phase II kann nicht innerhalb von zwei Jahren auf den Markt kommen. In der Regel dauert es 5 bis 8 Jahre. Wenn der Plan zu schnell erscheint, könnte er falsch sein.

Fünftens: Überprüfen Sie das Team. Die Führungskräfte sollten Erfahrung in der Herstellung von Medikamenten haben, nicht nur in der Forschung.

Warnsignale, auf die Sie achten sollten

Einfache Warnzeichen können Ihr Geld schützen.

  • Falsche Antworten: Wenn der CEO nicht erklären kann, wie schnell sie Geld ausgeben, seien Sie vorsichtig.
  • Zu viel Marketing: Wenn die Dokumente eher wie Werbung als wie Berichte aussehen, könnte die wissenschaftliche Grundlage schwach sein.
  • Kein Fokus: Geld ohne klare Ziele auszugeben ist gefährlich.
  • IP-Probleme: Das Unternehmen muss Eigentümer seiner Patente sein. Ist dies nicht der Fall, kann es das Medikament später nicht verkaufen.

In der Schweiz können Sie auch nach vertrauenswürdigen Partnern suchen. Die Unterstützung durch Innosuisse oder eine Universität (als Spin-off) sind gute Zeichen. Wenn keine professionellen Investoren beteiligt sind, sollten Sie nachfragen, warum.

Der Schweizer Vorteil

Schweizer Unternehmen haben besondere Vorteile, die ihren Wert steigern. Die Schweiz steht seit über einem Jahrzehnt an erster Stelle der globalen Innovationsrangliste. Universitäten wie die ETH Zürich und die EPFL bringen starke Spin-off-Unternehmen hervor.

Die Nähe zu Giganten wie Roche und Novartis ist ebenfalls von Vorteil. Diese großen Unternehmen kaufen häufig kleinere Firmen auf, um an neue Medikamente zu gelangen. Dieses potenzielle Szenario kann für Investoren ein klarer Weg zum Gewinn sein.

Auch die Vorschriften sind hilfreich. Swissmedic prüft neue Medikamente sehr effizient. Schnellere Zulassungen bedeuten, dass das Unternehmen früher mit dem Verkauf beginnen kann (der Barwert des Projekts steigt).

Die Schweizer AG-Struktur ermöglicht auch flexible Investitionen. Das Mindestkapital ist mit CHF 100’000 gering, wobei mindestens CHF 50’000 eingezahlt werden müssen. Dies erleichtert Unternehmen die Gründung und das Wachstum.

Aufbau eines ausgewogenen Portfolios mit CapiWell

Die Bewertung eines Biotech-Unternehmens erfordert eine Mischung aus Wissenschaft und Finanzen. Sie müssen nicht jedes Detail beherrschen, um gute Entscheidungen zu treffen. Der Schlüssel liegt darin, nach realistischen Wahrscheinlichkeiten und Unternehmen in der Wachstumsphase zu suchen, die bereits erste Sicherheitstests bestanden haben.

CapiWell hilft Schweizer Anlegern dabei, diese Strategien effektiv umzusetzen. Durch den Zugang zu sorgfältig geprüften Wachstumschancen in den Bereichen Biotechnologie und Medizintechnik ermöglicht CapiWell Ihnen, Unternehmen mit bewährten klinischen Daten statt nur mit Theorien zu unterstützen. Diese Plattform unterstützt einen Multi-Asset-Ansatz und hilft Ihnen dabei, risikoreichere Wachstumsinvestitionen mit stabilen Alternativen auszugleichen, um eine stärkere finanzielle Zukunft aufzubauen.

Referenzen (APA)

  • Swiss Biotech Association und EY, “Swiss Biotech Report 2025”
  • Swiss Biotech Association und EY, “Swiss Biotech Report 2024”
  • Swiss Biotech Association und EY, “Swiss Biotech Report 2023”
  • Startupticker.ch, “Swiss Venture Capital Report 2025 Update” (Juli 2025)
  • Reuters, “Schweizer Biotech-Unternehmen BioVersys schließt Börsengang ab” (Februar 2025)
  • Sciena.ch, “Araris Biotech: PSI-Ausgründung erreicht Einhorn-Status”
  • BiopharmaVantage, “Bewertungsleitfaden für Pharma und Biotechnologie 2025”
  • Alacrita, “Bewertung pharmazeutischer Vermögenswerte: Wann sollte man den NPV und wann den rNPV verwenden?”
  • Biotechnology Innovation Organization (BIO), “Erfolgsraten in der klinischen Entwicklung”
  • WIPO, “Leitfaden zur Bewertung geistigen Eigentums für pharmazeutische Vermögenswerte”
  • Toptal, “Bewertungsmethoden für Biotechnologieunternehmen für Investoren”
  • Models Hub, “Risikoadjustierter Kapitalwert bei der Bewertung von Biotechnologieunternehmen”
  • DrugPatentWatch, “Der definitive Leitfaden zur Bewertung von Pharma- und Biotech-Unternehmen”
  • Labiotech.eu, “Bewertungsmultiplikatoren und -methoden im Biotech-Bereich”
  • Qubit Capital, “Bewertungsmaßstäbe der Serien A und B für Biotech-Startups” (2025)
  • Bundesamt für Gesundheit (BAG), “Swissmedic-Benchmarking-Studien 2020–2023”
  • MedCity News, “Investitionen in ein Biotech-Startup: Warnsignale für schlechte Investitionen”
  • Schroders, “Die roten Flaggen bei Biotech-Investitionen erkennen”

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