Mehr als 120 Schweizer Städte und Gemeinden verfolgen inzwischen formelle Smart-City-Initiativen, und laut der Swiss Smart City Survey entfällt 2024 ein steigender Anteil der lokalen Investitionsbudgets auf Digital- und Nachhaltigkeitsprojekte des öffentlichen Sektors. Diese Expansion markiert einen Wandel in der städtischen Wirtschaft der Schweiz, in der digitale Infrastrukturen, Datenmanagement und Instrumente zur Klimaresilienz vom Pilotstatus in den Mittelpunkt der kommunalen Kapitalallokation rücken und ein sich schnell ausbreitendes Startup-Ökosystem in Verbindung mit der öffentlichen Nachfrage formen.
Politischer Kontext und institutionelle Verankerung
Die Entwicklung von Smart Cities in der Schweiz hat sich in einem eindeutig institutionellen Rahmen entwickelt. Die städtische Digitalisierung wird nicht durch nationale Mandate vorangetrieben, sondern durch koordinierte Maßnahmen zwischen Gemeinden, Kantonen und Bundesprogrammen. Diese dezentralisierte Struktur spiegelt den Schweizer Föderalismus wider, schafft aber auch Anreize für Städte, ihre digitalen Strategien zu professionalisieren, um Zugang zu Finanzmitteln, Talenten und interkommunaler Zusammenarbeit zu erhalten. In den letzten fünf Jahren wurden Smart-City-Initiativen zunehmend in offizielle städtische Strategien eingebettet und nicht mehr als innovative Zusatzmaßnahmen behandelt.
Die Bundespolitik hat diesen Trend indirekt verstärkt. Programme zur Förderung digitaler öffentlicher Dienste, des Klimaschutzes und der Energieeffizienz haben nachfrageseitige Signale für die Einführung von Technologien auf städtischer Ebene geschaffen. Kommunen, die Smart-City-Projekte mit nationalen Klimazielen oder Energiestrategien abstimmen, können langfristige Investitionen rechtfertigen und gleichzeitig ihre Haushaltsdisziplin wahren. Infolgedessen haben sich die Smart-City-Aktivitäten über die großen Ballungszentren hinaus auf mittelgroße und kleinere Kommunen ausgeweitet, die sich um operative Effizienz und Widerstandsfähigkeit bemühen.
Kapitalallokation und Finanzierungsdynamik
Die Skalierung des Smart-City-Startup-Ökosystems hängt eng damit zusammen, wie das Kapital in den öffentlichen Haushalten zugewiesen wird. Bei den kommunalen Ausgaben für die digitale Infrastruktur wird zunehmend Plattformen, Datenebenen und interoperablen Systemen Vorrang vor maßgeschneiderten Anwendungen eingeräumt. Dies begünstigt Start-ups, die modulare Lösungen anbieten, die sich in bestehende städtische Systeme integrieren lassen, statt Einzwecktechnologien.
Die öffentliche Auftragsvergabe ist nach wie vor der wichtigste Einnahmekanal für viele Smart-City-Start-ups, insbesondere in der Anfangsphase. Die Verträge sind in der Regel kleiner als bei nationalen Infrastrukturprojekten, bieten aber eine stabile, mehrjährige Nachfrage. Diese beschaffungsorientierte Marktstruktur fördert eine schrittweise Skalierung und verringert die Volatilität der Einnahmen, wenn auch um den Preis einer langsameren Expansion im Vergleich zu rein kommerziellen Märkten.
Privates Kapital hat begonnen, die öffentliche Nachfrage zu ergänzen. Risiko- und Wachstumsinvestoren zeigen zunehmendes Interesse an städtischen Technologien, die sich mit Energieoptimierung, Mobilitätseffizienz und Umweltüberwachung befassen, insbesondere dann, wenn die Klarheit der Vorschriften und die wiederkehrende Nachfrage der Kommunen das Marktrisiko verringern. Das Ergebnis ist ein hybrides Finanzierungsmodell, bei dem öffentliches Kapital das Risiko einer frühen Einführung auffängt, während private Investoren die Skalierung unterstützen, sobald sich die Produkte als institutionell geeignet erweisen.
Marktverhalten und Positionierung von Start-ups
Die Schweizer Smart-City-Startup-Landschaft ist eher durch eine sektorübergreifende Positionierung als durch eine vertikale Spezialisierung gekennzeichnet. Viele Unternehmen sind an der Schnittstelle von Dateninfrastruktur, Klimaresilienz und Betriebsoptimierung tätig, was ihnen ermöglicht, mehrere kommunale Anwendungsfälle zu bedienen. Diese Flexibilität ist in einem fragmentierten kommunalen Markt, in dem Stadtgrößen, Budgets und Prioritäten stark variieren, entscheidend.
Start-ups, die IoT-Konnektivität, Datenplattformen oder Analysetools anbieten, profitieren von Größenvorteilen. Ein einziger Einsatz kann Anwendungen unterstützen, die vom Verkehrsmanagement bis zur Energieüberwachung oder Umweltsensorik reichen. Dieses Marktverhalten begünstigt Technologieanbieter, die frühzeitig in die Einhaltung von Normen, die Datensicherheit und die Interoperabilität investieren - Eigenschaften, die von öffentlichen Auftraggebern zunehmend gefordert werden.
Das Verhalten der Investoren spiegelt diese Dynamik wider. Kapitalflüsse begünstigen tendenziell Unternehmen mit skalierbaren Architekturen und der Fähigkeit, die Nachfrage in allen Kommunen zu bündeln, gegenüber Unternehmen, die auf eine individuelle Anpassung an jede einzelne Stadt angewiesen sind. Mit dem Anstieg der Ausgaben für intelligente Städte werden Konzentrationseffekte sichtbar, wobei eine kleinere Anzahl von Plattformen einen unverhältnismäßig großen Anteil an den Implementierungen einnimmt.
Evidenz aus Schweizer Betriebskontexten
Praktische Beispiele aus Schweizer Gemeinden zeigen, wie Startup-Lösungen in städtische Systeme integriert werden. Sensornetzwerke und Datenplattformen werden zunehmend eingesetzt, um Entscheidungen über Energieverbrauch, Verkehrsströme und Umweltbelastungen zu treffen. Diese Instrumente ersetzen nicht die bestehenden Prozesse, sondern erweitern in der Regel die Verwaltungskapazitäten und ermöglichen es den Städten, schneller auf veränderte Bedingungen zu reagieren.
Die Datenhoheit hat sich als wichtiges Kriterium herauskristallisiert. Die Gemeinden bevorzugen eine Infrastruktur, die Daten im Inland speichert und verarbeitet und die schweizerischen und europäischen Datenschutzstandards einhält. Diese Präferenz prägt die Beschaffungsergebnisse und schafft Wettbewerbsvorteile für Startups, die mit den lokalen rechtlichen und Governance-Erwartungen übereinstimmen.
Smart-City-Projekte zeigen auch Spillover-Effekte. Für die Umweltüberwachung gesammelte Daten können in die Bewertung der öffentlichen Gesundheit einfließen, während Mobilitätsanalysen sowohl die Verkehrsplanung als auch die Klimaberichterstattung unterstützen. Diese Komplementarität erhöht den wirtschaftlichen Wert digitaler Investitionen und stärkt den Business Case für eine weitere Einführung.
Governance, Koordination und Skalierungsbeschränkungen
Trotz der raschen Expansion bleibt die Verwaltung ein verbindliches Hemmnis für die Skalierung. Die kommunalen Kapazitäten sind sehr unterschiedlich, und nicht alle Städte verfügen über das Fachwissen, um komplexe digitale Systeme zu verwalten. Dies führt zu ungleichen Übernahmequoten und erhöht die Abhängigkeit von externen Partnern, einschließlich Start-ups und Integratoren.
Die Interoperabilität über Gemeindegrenzen hinweg bleibt begrenzt. Während nationale und regionale Netzwerke den Wissensaustausch erleichtern, bleibt die technische Integration oft hinter der politischen Koordinierung zurück. Ohne gemeinsame Standards und Beschaffungsrahmen bleibt die Skalierung sowohl für Städte als auch für Start-ups ressourcenintensiv.
Ein weiteres Hindernis ist das Risikomanagement. Da die Städte immer größere Datenmengen sammeln, wachsen die Bedenken in Bezug auf Cybersicherheit, Systemstabilität und Anbieterabhängigkeit. Die Kommunen verlangen zunehmend nachweisbare Risikokontrollen und langfristige Supportverpflichtungen, was die Eintrittsbarrieren für jüngere Unternehmen erhöht, aber die allgemeine Systemstabilität stärkt.
Kompromisse zwischen Innovation und Inklusion
Der Ausbau intelligenter Städte bringt Kompromisse mit sich, die Investitionsentscheidungen beeinflussen. Digitale Dienste können die Effizienz verbessern, bergen aber das Risiko, dass Einwohner mit begrenztem digitalen Zugang oder begrenzten Fähigkeiten ausgeschlossen werden. Schweizer Städte haben darauf reagiert, indem sie den Schwerpunkt auf nutzerzentriertes Design und parallelen Offline-Zugang gelegt haben, was jedoch die Implementierungskosten und die Komplexität erhöht.
Es gibt auch fiskalische Zielkonflikte. Investitionen in die digitale Infrastruktur konkurrieren mit Ausgaben für Wohnungsbau, Verkehr und soziale Dienste. Die politische Akzeptanz von Ausgaben für intelligente Städte hängt davon ab, ob es gelingt, innerhalb von Wahlzyklen greifbare Vorteile aufzuzeigen, wodurch der Schwerpunkt eher auf operativen Verbesserungen als auf experimentellen Technologien liegt.
Zukünftige Auswirkungen auf das Ökosystem
Das Schweizer Smart-City-Startup-Ökosystem befindet sich in einer Phase der Konsolidierung und Professionalisierung. Da immer mehr Gemeinden formale Strategien einführen, wird die Nachfrage nach zuverlässigen, interoperablen Lösungen zunehmen. Dies dürfte Unternehmen mit einer etablierten Erfolgsbilanz und der Fähigkeit, langfristige Partnerschaften mit dem öffentlichen Sektor zu unterstützen, begünstigen.
Aus politischer Sicht besteht die Herausforderung darin, Vielfalt und Innovation zu erhalten und gleichzeitig eine Fragmentierung zu vermeiden. Gemeinsame Standards, eine koordinierte Beschaffung und klarere Rahmenbedingungen für die Datenverwaltung würden die Skalierungskosten senken und den Marktzugang für kleinere Unternehmen erweitern.
Es gibt Hinweise darauf, dass die Entwicklung von Smart Cities in der Schweiz eher ein integraler Bestandteil des städtischen Wirtschaftsmanagements als ein technologischer Trend ist. Kapitalallokation, Governance-Kapazitäten und Risikomanagement bestimmen nun, welche Innovationen sich durchsetzen und welche lokal bleiben. Da die Städte weiterhin unter immer strengeren fiskalischen und ökologischen Auflagen investieren müssen, wird das Smart-City-Ökosystem zunehmend nach seinem Beitrag zur Widerstandsfähigkeit, Effizienz und institutionellen Glaubwürdigkeit und nicht nach der Neuartigkeit seiner Technologien beurteilt werden.
Referenzen (APA)
- Schweizer Smart City Studie 2024. (2025). Schweizer Smart City Studie. Verfügbar unter: https://smartcity-survey.ch/wp-content/uploads/2025/07/1_Final-Report_2024_final_EN.pdf
- Firmenprofil von Paradox Engineering. (n.d.). Wikipedia. Verfügbar unter: https://en.wikipedia.org/wiki/Paradox_Engineering
- Scandit Unternehmensprofil. (n.d.). Wikipedia. Verfügbar unter: https://en.wikipedia.org/wiki/Scandit
- Intelligente Umweltsensoren von Sparrow Analytics. (2024). CleanTech Alps. Verfügbar unter: https://www.cleantech-alps.com/wp-content/uploads/2024/11/AnOverviewOfCleantechStartUps.pdf
- Smart Cities vertikal. (n.d.). Kickstart Innovation. Verfügbar unter: https://www.kickstart-innovation.com/smart-cities-vertical
- Switzercloud IoT-Plattform. (n.d.). Switzercloud. Verfügbar unter: https://switzer.cloud/en/switzercloud