Das Schweizer Gesundheitswesen erlebt 2025 einen grundlegenden Wandel. Fortschritte in den Bereichen künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen halten Einzug in die tägliche Arbeit von Kliniken, Diagnostik und Notfallversorgung. Junge Medizintechnik- und Bioingenieurunternehmen setzen jahrelange wissenschaftliche Fortschritte in Instrumente um, die schnellere Diagnosen, personalisiertere Behandlungen und bessere Behandlungsergebnisse versprechen. Diese Dynamik deutet auf eine mögliche Umstrukturierung der Gesundheitswirtschaft hin und stärkt die langjährige Rolle der Schweiz im Bereich der medizinischen Innovation.
Eine schrittweise Entwicklung hin zur digitalen Gesundheit
Während eines Großteils des 20. und frühen 21. Jahrhunderts stützte sich das Schweizer Gesundheitswesen auf etablierte Diagnosemethoden, die manuelle Auswertung von Laborergebnissen und einheitliche klinische Protokolle. Die Digitalisierung schritt nur langsam voran. Krankenhäuser führten elektronische Patientenakten ein, und es entstanden erste Formen der Telemedizin, doch fortschrittliche Vorhersagesysteme oder KI-gestützte Bildgebung blieben weitgehend auf die Forschung beschränkt.
Dies begann sich in den 2010er und frühen 2020er Jahren zu ändern, als die Rechenleistung zunahm und die rechtlichen Rahmenbedingungen ausgereifter wurden. Bemühungen, medizinische Daten aus verschiedenen Bereichen wie Genomik, Bildgebung und Diagnostik miteinander zu verknüpfen, schufen die Grundlage für ehrgeizigere digitale Initiativen. Obwohl die Schweiz in den Bereichen Pharmazeutika, Biotechnologie und Feinmechanik herausragende Leistungen erbrachte, blieb der klinische Einsatz von KI bis vor kurzem begrenzt.
Ein Wendepunkt im Jahr 2025
Dieses Jahr markiert den Zeitpunkt, an dem KI-basierte Tools beginnen, die Patientenversorgung in der Schweiz zu beeinflussen. Swiss Medtech hat in Zusammenarbeit mit Innofuse Switzerland eine nationale Innovationsplattform ins Leben gerufen, die Forscher, Medizintechnikunternehmen, Kliniker und Regulierungsbehörden zusammenbringt, um die Einführung zu beschleunigen.
Mehrere Start-ups bringen fortschrittliche Lösungen in die klinische Praxis. aiEndoscopic in Zürich hat ein System entwickelt, das Robotik mit KI verbindet, um das Notfall-Atemwegsmanagement zu unterstützen. Die Software bietet schnelle Anleitungen für die Intubation, wenn es auf jede Sekunde ankommt.
b rayZ hat b box vorgestellt, eine digitale Mammographieplattform, die mithilfe von KI die Brustdichte und Bildqualität in Echtzeit bewertet. Das System hilft Radiologen, Tumorläsionen früher und genauer zu erkennen. Das Unternehmen sicherte sich 2022 eine Finanzierung in Höhe von 4 Millionen CHF und baut seine Präsenz in europäischen Kliniken aus.
Abionic in Lausanne bietet eine ultraschnelle In-vitro-Diagnoseplattform auf Basis von Nanofluidik und maschinellem Lernen. Das System untersucht innerhalb weniger Minuten auf Sepsis, Eisenmangel oder Atemwegsallergien und ermöglicht so eine frühzeitigere Intervention in der Akutversorgung.
Auch der allgemeine Rahmen für Innovationen wird gestärkt. Die langjährige akademische Exzellenz der Schweiz in den Bereichen Biowissenschaften und Ingenieurwesen wird durch Initiativen zum Datenaustausch wie das Swiss Personalized Health Network unterstützt, das weiterhin sichere und interoperable Gesundheitsdatenstrukturen aufbaut.
Die Marktdynamik nimmt in ganz Europa zu
Der europäische Markt für KI im Gesundheitswesen erreichte 2024 einen Wert von 11,5 Milliarden Schweizer Franken und wird bis 2033 voraussichtlich erheblich wachsen. Die Finanzierungsströme spiegeln denselben Trend in der Schweiz wider. Laut dem Medtech-Überblick 2025 sind mehr als 150 durch Risikokapital finanzierte Start-ups in den Bereichen KI, Biotechnologie oder Medizintechnik tätig, deren Unternehmenswert sich auf mehrere Milliarden Franken beläuft.
Wenn Schweizer Unternehmen auch nur einen Bruchteil der europäischen Nachfrage nach KI-gestützten Diagnose- und Behandlungsinstrumenten für sich gewinnen können, könnten die daraus resultierenden Exporteinnahmen die medizinische Infrastruktur der Schweiz stärken und ihre globale Wettbewerbsfähigkeit verbessern.
Innovatoren, die die KI-Gesundheitslandschaft der Schweiz prägen
- aiEndoscopic konzentriert sich auf robotergestützte Endoskopie mit KI-Unterstützung für Notfallmaßnahmen an den Atemwegen und chirurgische Assistenz.
- b rayZ treibt die KI-gestützte Mammographie und Radiologie durch seine b box-Plattform voran und bietet sofortige Qualitätskontrolle und verbesserte Tumorerkennung während der Bildgebung.
- Abionic bietet eine Point-of-Care-Diagnoseplattform, die durch Nanofluidik-Technologie in Kombination mit maschinellem Lernen schnelle Testergebnisse liefert. Dies verkürzt Wartezeiten und unterstützt frühere klinische Entscheidungen.
Neben diesen Unternehmen ist eine wachsende Gruppe von Schweizer Medizintechnik-Startups in den Bereichen digitale Gesundheit, personalisierte Medizin, Mikrofluidik und klinische Datenanalyse tätig. Dies spiegelt die starke Basis des Landes in den Bereichen medizinische Forschung, regulatorisches Fachwissen und Präzisionstechnik wider.
Wirtschaftliche und soziale Auswirkungen reichen über die Klinik hinaus
Die Integration von KI in das Gesundheitswesen hat Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Hochwertige Aufgaben in den Bereichen Softwareentwicklung, Datenwissenschaft, Regulierungsfragen und klinischer Einsatz nehmen zu. Die fundierten Kenntnisse der Schweiz in den Bereichen biomedizinische Forschung und Ingenieurwesen bilden eine solide Grundlage, um diese Kompetenzen auf den globalen Märkten zu nutzen.
Für Patienten und Gesundheitsdienstleister verspricht dieser Wandel schnellere Diagnosen, präzisere Therapien und geringere Kosten. Die frühzeitige Erkennung von Krankheiten, automatisierte Bildgebungsunterstützung und personalisierte Behandlungspläne können den Druck auf Krankenhäuser verringern und den Zugang zu wirksamer Versorgung verbessern.
Nationale Initiativen wie SPHN stärken auch die öffentliche Gesundheitsinfrastruktur, indem sie die Qualität und Interoperabilität von Forschungsdaten verbessern. Auf lange Sicht kann dies die langfristige Planung unterstützen und zu besseren Gesundheitsergebnissen beitragen.
Blick in die Zukunft
Im kommenden Jahr wird voraussichtlich eine breitere Einführung von KI-Tools in Schweizer Spitälern zu verzeichnen sein, insbesondere in den Bereichen Diagnostik, Notfallmedizin und Radiologie. Es ist davon auszugehen, dass weitere Start-ups die Pilotphase hinter sich lassen und zur kommerziellen Nutzung übergehen werden. Regulierungsbehörden und Institutionen werden ihre Rahmenbedingungen weiter anpassen, um KI-basierte Tools sicher in klinische Arbeitsabläufe zu integrieren.
Mit der zunehmenden Verfügbarkeit von Genomik und prädiktiver Analytik wird ein Wachstum im Bereich der personalisierten Medizin erwartet. Schweizer Unternehmen könnten in die Bereiche Arzneimittelentwicklung, Management chronischer Krankheiten und präventive Gesundheitsdienstleistungen expandieren. Die internationale Nachfrage nach zuverlässigen und konformen KI-basierten Gesundheitsinstrumenten dürfte steigen und damit Exportchancen bieten. Auch die Investitionen in die digitale Gesundheitsinfrastruktur dürften zunehmen und damit das Ökosystem stärken, das die KI-gestützte Medizin unterstützt.
Eine Landschaft, die nachhaltige Unterstützung benötigt
Medizintechnikunternehmen in der Wachstumsphase sind in der Schweiz auf Kapital und strategische Beratung angewiesen. Organisationen wie CapiWell unterstützen Start-ups dabei, Finanzmittel zu beschaffen, sich in komplexen regulatorischen Rahmenbedingungen zurechtzufinden und Netzwerke aufzubauen, die ihre Expansion fördern. Unternehmen, die KI-gestützte Diagnostik oder digitale Gesundheitstools entwickeln, sind auf diese Unterstützung angewiesen, um in einem schnelllebigen Markt bestehen zu können.
Die Konvergenz von künstlicher Intelligenz und Schweizer medizinischer Expertise läutet ein neues Kapitel im Gesundheitswesen des Landes ein. Im Jahr 2025 halten digitale Tools, die bisher nur in der Forschung zum Einsatz kamen, Einzug in die klinische Praxis. Diese Transformation könnte zu schnelleren Diagnosen, besseren Behandlungen und einem widerstandsfähigeren Gesundheitssystem führen. Die Schweiz hat nun die Chance, ihre Führungsposition im Bereich Medizintechnik zu festigen und die nächste Generation der Medizin mitzugestalten.
Referenzen (APA)
- Swiss MEDTECH & Innofuse Switzerland. (25. Juni 2025). Swiss Medtech und Innofuse Switzerland schließen sich zusammen, um eine nationale Innovationsplattform zu lancieren. Innofuse Switzerland. https://innofuse.swiss/blog/Swiss-Medtech
- Greater Zurich Area. (November 2025). Zehn innovative Start-ups im Gesundheitswesen im Grossraum Zürich, die man gesehen haben muss. Greater Zurich Area. https://www.greaterzuricharea.com/en/news/10-must-see-innovative-healthcare-startups-greater-zurich-0
- S‑GE. (2025). Warum Schweiz Gesundheit 2025. Switzerland Global Enterprise. https://www.s-ge.com/sites/default/files/publication/free/why_switzerland_health_sge_2025_1.pdf
- MarketDataForecast. (2025). Europa KI im Gesundheitswesen Marktgröße Marktanteile Trends & Wachstumsprognose Bericht 2025–2033. MarketDataForecast. https://www.marketdataforecast.com/market-reports/europe-ai-in-healthcare-market
- Swiss Deep Tech Nation. (Mai 2025). KI-Pioniere im Bereich der Biowissenschaften. Deep Tech Nation Switzerland. https://deeptechnation.ch/editorial/ai-pioneers-in-the-life-sciences-sector/
- Abionic SA. (2025). Unternehmensprofil und Diagnoseplattform. Abionic. https://www.abionic.com
- Zühlke Ventures & Swiss Medtech. (2025). Wichtige Geschäfts- und Technologietrends in der Medizintechnik 2025. Swiss Medtech. https://www.swiss-medtech.ch/sites/default/files/2025-06/20250311_AI_Primer_MedTech_v2.pdf