Warum klinische Phasen so wichtig sind
Schweizer Biotech-Unternehmen erhielten kürzlich eine Rekordfinanzierung. Im Jahr 2023 werden die Investoren 2 Milliarden CHF in diesen Sektor investieren. Das sind 50% mehr als im Jahr zuvor. Allerdings ist es schwierig, das richtige Unternehmen auszuwählen.
Die meisten Geschäftsbereiche folgen einem festen Weg. Ein Softwareunternehmen entwickelt ein Produkt und bessert es auf der Grundlage von Nutzerfeedback schnell aus. Die Biotechnologie ist anders. Diese Unternehmen müssen beweisen, dass ihre Medikamente sicher und wirksam sind, bevor sie etwas verkaufen können.
Statistiken zeigen, dass nur 10% bis 14% der Medikamente, die in die klinische Prüfung gehen, schließlich zugelassen werden. Wenn ein Medikament scheitert, verliert die Investition oft ihren gesamten Wert. Dieses Alles-oder-Nichts-Ergebnis schafft ein hohes Risiko. Wenn Sie wissen, in welcher Phase sich ein Unternehmen befindet, können Sie dieses Risiko besser einschätzen. Ein Unternehmen in Phase III ist viel sicherer als eines in Phase I.
Die vier Phasen der klinischen Prüfung
- Phase I (nur Sicherheit): Der erste Test für Menschen. Ärzte verabreichen das Medikament an eine kleine Gruppe von Menschen. Ziel ist es, zu beweisen, dass das Medikament sicher ist, und die richtige Dosis zu finden. Diese Phase dauert ein bis zwei Jahre. Ein Erfolg in dieser Phase bedeutet lediglich, dass das Medikament nicht giftig ist. Es ist nicht bewiesen, dass das Medikament die Krankheit heilt.
- Phase II (Proof of Concept): In dieser Phase wird getestet, ob das Medikament tatsächlich wirkt. An ihr nehmen Patienten teil, die an der Krankheit leiden. Diese Versuche kosten mehr und dauern ein bis drei Jahre. Ein Erfolg in dieser Phase ist ein großer Meilenstein. So meldete das Schweizer Biotech-Unternehmen EsoCap vor kurzem gute Phase-II-Ergebnisse für eine Halskrankheit namens eosinophile Ösophagitis. Dieser Erfolg senkte das Risiko für die Investoren.
- Phase III (Bestätigung): Der größte und teuerste Schritt. Hier wird das Medikament an Hunderten oder Tausenden von Patienten getestet, um zu bestätigen, dass es in großem Maßstab sicher funktioniert. Das Schweizer Unternehmen CUTISS führt derzeit Phase-III-Studien für schwere Verbrennungen durch. Im September 2025 erhielt es 56 Millionen CHF zur Finanzierung dieser Arbeit. Die Gesamtfinanzierung beläuft sich auf über 125 Mio. CHF.
- Phase IV (nach der Genehmigung): Nachdem das Medikament auf den Markt gekommen ist. Die Forscher beobachten die Langzeitnebenwirkungen. Positive Ergebnisse in diesem Bereich können dem Unternehmen helfen, das Medikament an mehr Menschen zu verkaufen.
Erfolgsquoten verstehen
Biotech-Investitionen sind eine schwierige Angelegenheit. Bei einer Investition in Phase I besteht eine Wahrscheinlichkeit von fast 90%, dass sie letztendlich scheitert. Das Risiko sinkt, wenn das Unternehmen jede Phase durchläuft.
Der Erfolg der Phase II ist der wichtigste Filter. Wenn ein Medikament bei Patienten funktioniert, hat es eine viel bessere Chance, auf den Markt zu kommen. Ein Erfolg in Phase III macht eine Zulassung sehr wahrscheinlich, wenn auch nicht garantiert.
Bei bestimmten Krankheiten sind die Chancen unterschiedlich. Krebsmedikamente haben hohe Zulassungsquoten, wenn sie die letzte Einreichungsphase erreichen. Zwischen 2009 und 2018 haben die Behörden 96% der Krebsmedikamente zugelassen, die es bis zur endgültigen Prüfung geschafft haben.
Wichtige Schweizer Vorschriften
Swissmedic ist die Agentur, die in der Schweiz Medikamente zulässt. Investoren sollten drei wichtige Fakten über ihre Arbeitsweise kennen:
- Globale Datenakzeptanz: Swissmedic akzeptiert Ergebnisse aus Versuchen, die in anderen Ländern durchgeführt wurden. Unternehmen können Medikamente in den USA oder der EU testen und diese Daten für die Zulassung in der Schweiz verwenden. Dieser Ansatz spart Zeit und Geld.
- Schneller Prozess: Die wissenschaftliche Prüfung bei Swissmedic dauert etwa 194 Tage. Dieses Tempo ist konkurrenzfähig mit Agenturen in Europa und den USA. Im Juli 2025 startete Swissmedic ein neues Pilotprogramm, um Versuche noch schneller zu prüfen.
- Reliance Pathway: Wenn die USA oder die EU ein Medikament zuerst zulassen, kann Swissmedic ein kürzeres Verfahren anwenden, um es in der Schweiz zuzulassen. Dies erleichtert Schweizer Unternehmen den Eintritt in den heimischen Markt, nachdem sie im Ausland erfolgreich waren.
Was die Wachstumsphase in der Biotechnologie/Medizintechnik bedeutet
Unternehmen in der Wachstumsphase haben die ersten Hürden genommen. Sie befinden sich in der Regel in Phase II oder Phase III. Sie haben bewiesen, dass ihre Technologie sicher ist und wahrscheinlich funktioniert. Jetzt brauchen sie Geld, um umfangreiche Versuche abzuschließen.
Diese Unternehmen nehmen große Geldbeträge auf. Alentis Therapeutics sammelte im April 2023 105 Mio. USD für seine Leber- und Lungenbehandlung ein. Auch Memo Therapeutics hat kürzlich Phase-II-Studien abgeschlossen.
Investitionen in diesem Stadium sind sicherer als Investitionen in frühe Start-ups. Die Zeitspanne bis zur Erzielung von Gewinnen ist kürzer, oft nur drei bis fünf Jahre. Etwa 44% aller Biotech-Geschäfte finden in dieser späten Phase statt, weil große Investoren das geringere Risiko bevorzugen.
Wie man ein Biotech/Medtech-Unternehmen bewertet
Sie können für jede Phase spezifische Anzeichen für den Erfolg überprüfen:
- Phase-I-Kontrollen: Achten Sie auf die maximale sichere Dosis. Wenn die sichere Dosis zu niedrig ist, um die Krankheit wirksam zu behandeln, wird das Medikament später versagen. Meiden Sie Unternehmen mit unerklärlichen Sicherheitsverzögerungen.
- Phase-II-Kontrollen: Vielfältige Daten sind der Schlüssel. Hat das Unternehmen sein Hauptziel erreicht? Das Schweizer Biotech-Unternehmen Nouscom hat kürzlich positive Daten für seinen Krebsimpfstoff vorgelegt. Diese guten Nachrichten beweisen, dass ihre Methode in schwierigen Fällen funktioniert.
- Phase-III-Kontrollen: Vergewissern Sie sich, dass das Unternehmen genügend Patienten eingeschrieben hat. Prüfen Sie, ob die Ziele zuvor mit den Regulierungsbehörden vereinbart wurden. Auch hier ist der Wettbewerb ein Risiko. Wenn ein anderes Unternehmen zuerst fertig wird, könnte der Markt verschwinden.
Aufbau eines ausgewogenen Portfolios
Investitionen in die Biotechnologie sind riskant. Ein einziges Unternehmen kann komplett scheitern. Experten raten, Aktien von 10 bis 12 verschiedenen Biotech-Unternehmen zu besitzen, um auf der sicheren Seite zu sein. Eine Streuung auf verschiedene Arten von Krankheiten ist ebenfalls hilfreich.
Kluge Anleger gehen noch einen Schritt weiter und mischen Biotechnologie mit anderen Anlageformen. Sie sollten nicht Ihr gesamtes Geld in Biowissenschaften investieren. Wenn Sie diese Anlagen mit stabilen Optionen kombinieren, wird Ihr Portfolio stärker.
CapiWell unterstützt diese Strategie, indem es eine breite Palette von Anlageformen anbietet. CapiWell ermöglicht es Schweizer Anlegern, vielversprechende Biotech-Investitionen mit stabileren Anlagen wie Immobilien und KMU-Krediten zu kombinieren. Dieser Multi-Asset-Ansatz hilft Ihnen, die Risiken von klinischen Studien zu managen und gleichzeitig auf Wachstum zu setzen.