Kohlenstoffentfernung wird zu einem ernsthaften Geschäft

Die Schweiz positioniert die Kohlenstoffentfernung als wachsenden Pfeiler der Klimapolitik und Industrie

Die Kohlenstoffentfernung hat sich von einer Randerscheinung zu einem Bereich entwickelt, in dem Unternehmen, politische Entscheidungsträger und Investoren beginnen, echte Wetten zu platzieren. Diese Veränderung ist in der Schweiz sichtbar, wo sich frühe technische Experimente zu kommerziellen Anlagen, aktualisierten Gesetzen und einer steigenden Nachfrage nach hochwertiger CO₂-Entfernung entwickelt haben. Was als spekulative Technologie begann, wird nun Teil des klimapolitischen Instrumentariums und zunehmend auch Teil einer aufstrebenden Industrie.

Eine einst abgelehnte Technologie findet ihren ersten Anklang

Jahrelang drehten sich Klimastrategien darum, Emissionen an der Quelle zu reduzieren. Erneuerbare Energien und Effizienzsteigerungen dominierten die politische Agenda, während die Idee, CO₂ aus der Luft zu extrahieren, als theoretisch angesehen wurde. Das änderte sich, als zwei Ingenieure der ETH Zürich beschlossen, die Idee trotz aller Skepsis weiterzuverfolgen. Ihr 2009 gegründetes Unternehmen Climeworks machte sich daran, Maschinen zu bauen, die Kohlendioxid direkt aus der Umgebungsluft abscheiden können.

Der Durchbruch gelang 2017 mit der Eröffnung der ersten kommerziellen Direktluftabscheidungsanlage in Hinwil. Das abgeschiedene CO₂ versorgte zunächst ein Gewächshaus und später Getränkehersteller und bewies damit, dass die Luftabscheidung auch außerhalb von Laborbedingungen zuverlässig funktionieren kann. Zum ersten Mal wurde mit dieser Technologie ein marktfähiges Produkt hergestellt, und die Schweiz war Standort der weltweit ersten funktionierenden DAC-Anlage.

Vom Prototyp zur politischen Priorität

Als diese ersten Anlagen in Betrieb gingen, verschob sich die Klimadebatte. Es wurde deutlich, dass selbst drastische Emissionsreduktionen nicht ausreichen würden, um die langfristigen Klimaziele zu erreichen, ohne einen Teil des bereits in der Atmosphäre vorhandenen CO₂ zu entfernen. Dieser wissenschaftliche Konsens schuf die Voraussetzungen für neue Gesetze. Im Jahr 2025 aktualisierte die Schweiz ihren Rahmen für die Abscheidung, Entfernung und Speicherung von Kohlendioxid und legte Anreize, Standards und zukünftige Anforderungen fest. Das Gesetz sieht nun vor, dass bis 2050 jährlich mehrere Millionen Tonnen CO₂ gespeichert oder entfernt werden sollen, was potenziell bis zu 30 Prozent der heutigen Emissionen abdecken würde.
Es folgten Entwicklungen in der Branche.

Climeworks erweiterte sein Angebot an Dienstleistungen zur dauerhaften Kohlenstoffentfernung für Unternehmen mit Netto-Null-Verpflichtungen, und die Nachfrage aus den Bereichen Luftfahrt, Logistik und Fertigung begann zu wachsen. Forschungseinrichtungen schalteten sich ein, um die Überwachungs- und Verifizierungsmethoden zu verfeinern und sicherzustellen, dass die Angaben zur Kohlenstoffentfernung glaubwürdig sind. Es entstand ein breiteres Ökosystem, das von der Swiss Carbon Removal Platform getragen wird, die Unternehmen, Forscher und politische Entscheidungsträger miteinander verbindet.

Ein europäischer Markt beginnt sich zu bilden

Diese Entwicklungen in der Schweiz vollziehen sich vor dem Hintergrund eines rasanten Wachstums in Europa. Der kontinentale Markt für direkte Luftabscheidung wurde 2024 auf rund 34,4 Millionen US-Dollar geschätzt. Prognosen zufolge könnten die Einnahmen bis 2030 607,9 Millionen US-Dollar erreichen, angetrieben von einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von mehr als 60 Prozent. Einige Prognosen gehen sogar von Milliardenbeträgen bis 2033 aus, abhängig von der Unterstützung durch die Regulierungsbehörden und der Akzeptanz durch die Unternehmen.

Schweizer Innovationen haben zu dieser Entwicklung beigetragen. Während Nachbarländer sich mit Zertifikaten für die Speicherung, Nutzung und Entfernung von Kohlenstoff befassen, bieten die frühen Erfahrungen der Schweiz mit DAC eine technologische und regulatorische Referenz. Die Übereinstimmung zwischen dem Marktwachstum in Europa und den technischen Fähigkeiten der Schweiz wird nun zu einem Wettbewerbsvorteil.

Wirtschaftliche Folgen, die über die Klimapolitik hinausgehen

Die Ausweitung der Kohlenstoffentfernung ist nicht mehr nur eine Umweltfrage. Sie schafft hochqualifizierte Arbeitsplätze in den Bereichen Ingenieurwesen, Anlagenbetrieb und Datenanalyse. Unternehmen wie Climeworks beschäftigen Hunderte von Mitarbeitern und unterhalten wichtige Ingenieursabteilungen in Zürich. Kapital fließt in saubere Technologien und stärkt damit die Position der Schweiz als Technologiezentrum in einer Zeit, in der viele Länder versuchen, die Widerstandsfähigkeit ihrer Industrie zu stärken.

Eine heimische Kohlenstoffentfernungsindustrie erhöht auch die strategische Autonomie der Schweiz. Anstatt sich in erster Linie auf internationale Ausgleichszahlungen zu verlassen, kann das Land lokale Kapazitäten zum Umgang mit Restemissionen aufbauen. Für Unternehmen in schwer zu reduzierenden Sektoren stärkt der Zugang zu vertrauenswürdigen, dauerhaften Entfernungsdiensten ihre Fähigkeit, Netto-Null-Verpflichtungen zu erfüllen.

Warum das kommende Jahr wichtig sein wird

Die Gesetzesänderung von 2025 hat Erwartungen geweckt. Unternehmen, die Netto-Null-Strategien entwickeln, können nun auf klarere Anreize zurückgreifen, und es wird erwartet, dass mehrere Projekte von der Planung in die Umsetzung übergehen. Gleichzeitig steigt in Europa die Nachfrage nach verifizierter CO₂-Entfernung, da die Compliance-Vorschriften verschärft werden. Dieser Druck dürfte das Investitionstempo beschleunigen.

Über die direkte Luftabscheidung hinaus werden derzeit neue Ansätze wie Biokohle und verstärkte Verwitterung erforscht. Schweizer Institutionen bewerten deren ökologische und technische Machbarkeit, was auf ein breiteres Technologieportfolio für das kommende Jahrzehnt hindeutet. Die Kombination aus Marktnachfrage und wissenschaftlicher Prüfung könnte darüber entscheiden, welche Methoden zuerst zum Einsatz kommen.

Ein Moment für Investoren und Erbauer industrieller Kapazitäten

Für Investoren und Innovatoren ist der Zeitpunkt entscheidend. Die Kohlenstoffentfernung ist nicht länger eine abstrakte Idee, sondern ein aufstrebender Sektor mit klarer politischer Unterstützung und wachsender Marktnachfrage. Unternehmen, die heute expandieren, könnten für die langfristige Klimastrategie der Schweiz und die umfassenderen Dekarbonisierungsbemühungen Europas von zentraler Bedeutung werden.

CapiWell arbeitet mit Cleantech-Unternehmen in der Wachstumsphase zusammen und bietet ihnen strategische Beratung und Zugang zu Kapital. Über CapiWell können Investoren an der Expansion von Unternehmen beteiligt sein, die die Zukunft der Kohlenstoffentfernung gestalten. Diese Investitionen unterstützen die industrielle Kapazität, Klimaschutzverpflichtungen und technologische Führungspositionen.

Die frühen Experimente der Schweiz im Bereich der direkten Luftabscheidung haben sich zu einem glaubwürdigen industriellen Ansatz entwickelt. Mit der Festlegung von Vorschriften und der Expansion der Märkte wird die Kohlenstoffentfernung zu einem Teil der Klimastrategie des Landes und seiner Wirtschaftslandschaft. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie schnell der Sektor wachsen kann, aber die Richtung ist klar. Eine Technologie, die einst auf Forschungsarbeiten beschränkt war, ist nun ein Bereich mit industriellen Möglichkeiten.

Referenzen (APA)

  • Bundesamt für Umwelt. (2025). Roadmap zur Abscheidung, Entfernung und Speicherung von Kohlenstoff. Abgerufen unter https://www.bafu.admin.ch/en/roadmap-carbon-capture-removal-and-storage
  • Swiss Carbon Removal Platform. (2025). Scaling Up Carbon Dioxide Removal. Abgerufen unter https://www.carbon-removal.ch/
  • Climeworks AG. (o. J.). Unternehmensprofil. Abgerufen unter https://www.s-ge.com/fr/company/climeworks-ltd
  • Climeworks AG. (2022). Climeworks stärkt Eigenkapitalposition um 600 Millionen Schweizer Franken. Abgerufen unter https://www.greaterzuricharea.com/en/news/climeworks-strengthens-equity-position-600-million-swiss-francs
  • Climeworks. (2023). Climeworks stellt weltweit erste Anlage zur direkten Luftabscheidung fertig. Abgerufen unter https://climeworks.com/press-release/climeworks-completes-commercial-operations-in-hinwil
    Climeworks AG. (o. J.). Climeworks: eine Technologie zur Umkehrung des Klimawandels. House of Switzerland. Abgerufen unter https://houseofswitzerland.org/swissstories/environment/climeworks-technology-reverse-climate-change
  • PSI Eidgenössische Technische Hochschulen. (2025). Kohlendioxidentfernung: Lebenszyklusbewertung und -überwachung. Abgerufen unter https://www.psi.ch/en/ta/projects/carbon-dioxide-removal-lca-and-mrv
  • Grand View Research. (2025). Marktgröße und Ausblick für die direkte Luftabscheidung in Europa. Abgerufen unter https://www.grandviewresearch.com/horizon/outlook/direct-air-capture-market/europe

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